Verhärtete Liga-Fronten-VSV will bei Doppelstaatsbürger-Causa vermitteln
Weiterhin Pattstellung in der ICE Hockey League-Causa Doppelstaatsbürger. Auch die Präsidiumssitzung am Montag brachte keine Lösung. Jetzt will der VSV mit seinem Vorschlag eine längst überfällige Lösung herbeiführen.
Von Martin Quendler | 05.30 Uhr, 12. Mai 2021
Die Widrigkeiten, die die länderübergreifende ICE Hockey League in den vergangenen Jahren lösen musste, hätten nicht viele Sportligen verkraftet. Absprung des Hauptsponsors, neue TV-Verträge, Facelifting, ständige Modernisierungen, drei neue Teilnehmer und nicht zuletzt die enorme Herausforderung durch Corona. Ausgerechnet jetzt, wo es ruhiger werden sollte, wirken die Fronten unter den Klubs verhärtet wie noch nie. Es betrifft das wichtigste Kapital der Vereine: die Spieler.
In Wien beschwerte sich zuletzt Capitals-General Manager Franz Kalla lautstark und medienwirksam darüber, dass ihm Spieler von der Konkurrenz abgeworben werden. Dass er in den vergangenen Jahren ständig ähnliche Praktiken vollzogen hatte, dürfte ihm jedoch wohl entfallen sein. So ereilte Wien das Schicksal des freien Marktes - Kalla hätte ja schon früh seine Abtrünnigen unter Vertrag nehmen können. In den vergangenen Jahren ging Kallas Transfer-Poker auf, heuer eben nicht.
Bozens Kader wies in der Saison 2020/21 zehn Spieler mit Doppelstaatsbürgerschaft auf. © APA/EXPA/JOHANN GRODER
Bozen sorgte für Verstimmung
Vor allem aber die Causa Doppelstaatsbürger ist vielen Klubs ein Dorn im Auge. Bozen, das ist gewiss, hat vergangene Saison exzessiv Italo-Kanadier verpflichtet. Das ist nichts Verwerfliches und im Reglement abgesichert. Doch die Südtirolern haben mit insgesamt zehn Doppelstaatsbürgern ihren Liga-Partnern vor den Kopf gestoßen. Reihenweise sprangen ihnen die Verbündeten ab. Die daraus entstehenden Dissonanzen hätten sie erahnen müssen.
Einen großen Gegenpol zu Bozen bildet die Allianz Graz 99ers und Vienna Capitals. Ein etwas radikaler Vorschlag der Wiener, zukünftig lediglich einen Doppelstaatsbürger aufweisen zu dürfen, wurde zwar abgeschmettert. Die daraus resultierenden atmosphärischen Störungen sind jedoch geblieben. Und die Liga bekommt trotz vieler Sitzungen und Konferenzen die Kuh nicht vom Eis. Je länger nun die Pattstellung andauert, desto größer könnte der Schaden werden.
In einer Präsidiumssitzung am Montag wurde neuerlich darüber diskutiert. Zu hören ist, dass zwei Interessens-Gruppen mit unterschiedlichen Ideen derart aggressiv auftreten. Dennoch könnte sich ein Konsens anbahnen. Am Dienstag wurde vom VSV ein Antrag zur "Gleichstellung inländischer Spieler" eingebracht. Zwar handelt es sich vorwiegend dabei um ein Reglement zu Doppelstaatsbürgern. Eine falsche Wortwahl könnte jedoch zu weitreichenden juristischen Folgen führen.
Ein Antrag, vier Punkte
"Wir verstehen uns als streitschlichtende Partei", stellt VSV-Vorstand Andreas Schwab klar. Die Basis des Antrags bildet dabei die 480-Tage-Regel des Internationalen Eishockey-Verbandes (IIHF). Doppelstaatsbürger sollen demnach nur dann als "heimische Spieler" gelten, wenn sie mindestens 16 Monate für ein Team im jeweiligen Land gespielt haben. Eine Ergänzung zielt auch auf Spieler ab, die vor dem 19. Geburtstag fünf Saisonen bereits im jeweiligen Land gespielt hatten, nicht als Doppelstaatsbürger geführt werden. Eine Übergangsregelung wird ebenfalls berücksichtigt.
Fazit: Die Klubs sind in dieser Debatte nun gefordert, ihren einzementierten Standpunkt im Sinne des Kollektivs zu verlassen. Wie es in einem Mannschaftssport eigentlich üblich sein sollte. Und wie es in der jüngeren Vergangenheit immer wieder großartig bewiesen wurde.
Quelle: https://www.kleinezeitung.at/sport/eishocke…atsbuergerCausa