Ich darf ein paar Quellen mit offizielle Zahlen und Fakten in die Diskussion einbringen.
Zuerst aber noch ein Einwand, der von ReiniR und WiPeschon erwähnt wurde, aber bisher in den meisten Kommentaren ignoriert wurde: Ist die Ausbildung von Profi-Eishockeyspielern das vorrangige Ziel so einer Einrichtung beziehungsweise ist das tatsächlich die einzige und vorrangige Kennzahl, die eine öffentliche Förderung rechtfertigt - wie es Landbauer suggeriert?
Ich würde sagen: Nein!
Und jeder, der sich die folgenden Links ansieht, wird feststellen, dass weder die Initiatoren noch das Land Niederösterreich in der Vergangenheit den Output an österreichischen Eishockeyprofis als Hauptgrund für die Existenz und Förderung der Akademie genannt hat.
Zur Eröffnung 2008 wird die Sport-Landesrätin so zitiert: "die internationale Ausrichtung sei ein Eckpfeiler für die Entwicklung des heimischen Sportes" und "Geschaffen werde eine Bildungsstätte, die nach dem Muster der erfolgreichen Schulen für Leistungssportler viele internationale Talente nach Niederösterreich bringen soll, um ihnen hervorragende Perspektiven im schulischen und sportlichen Bereich zu bieten."
Das Ziel des Landes war zum Start also explizit, dass man viele internationale Talente nach Niederösterreich holt. Klingt für mich genau nach dem Gegenteil der "Kein Geld für Ausländer"-Argumentation von 2025.
OHA-Präsident Oaks hat den Zweck der Einrichtung so formuliert: "Die Eishockey-Akademie sei eine besondere Institution, da sie zukunftsweisend verschiedene Ebenen der Persönlichkeit zur Entfaltung und Entwicklung bringe."
Hier der Link zur Quelle, die Presseaussendung aus 2008: Neue Eishockeyschule kommt nach St. Pölten
So ähnlich steht das auch auf der OHA-Webseite: "Our primary focus is to promote human performance and the long-term development of each of our athletes in the classroom, on the ice, and in the community."
Bei der Eröffnung hat also niemand explizit niederösterreichische Bundesligaspieler versprochen.
Schon lange vor der sehr mühsamen Wertschöpfungsdiskussion in diesem Thread haben die Verantwortlichen die OHA genau aus diesem Grund zur Erfolgsstory erklärt:
Erneut die Sport-Landesrätin (diesmal 2013): „Auch auf wirtschaftlicher Seite ist die Hockey-Academy St. Pölten für das Bundesland Niederösterreich ein großer Erfolg. Weil die kanadische Okanagan School ihr europäisches Hauptquartier in der niederösterreichischen Landeshauptstadt aufgeschlagen hat, können jährlich rund 16.000 Nächtigungen erzielt werden, was auch eine regionale Wertschöpfung von rund 2,5 Millionen Euro für Niederösterreich mit sich bringt."
Hier der Link zur Quelle: Okanagan Hockey-Academy in St. Pölten auf Erfolgskurs
Anlass für die Pressemeldung waren übrigens die ersten Abschlussklassen der Lower Austrian International School. Auch hier lag der Fokus bei Land und OHA also zuallererst auf der gesamten internationalen Ausbildung. Nur in einem Nebensatz wird erwähnt, dass es einige Absolventen bereits in österreichische Auswahlen geschafft haben.
Zum 10-jährigen Jubiläum 2019 spricht Antonitsch von bis dahin über 15 Millionen Euro Wertschöpfung: Eishockey-Talenteschmiede feiert Jubiläum
In dem Artikel wird der Geschäftsführer der OHA übrigens so zitiert: „Ziel ist es, möglichst viele Talente zu uns zu bekommen. In der Akademie sollen sie nicht nur ihr Eishockey verbessern, sondern auch ihre schulischen Leistungen bringen und ihre Persönlichkeit entwickeln.“
Auch hier wird eine viel breitere Zielsetzung als reiner Eishockeyerfolg genannt. Und wieder kein Wort von niederösterreichischen Eishockeyprofis.
Bei den genannten Summen muss man allerdings schon vorsichtig sein. Dass der Mitinhaber der OHA (Antonitsch gehören 16,33 % der Betreibergesellschaft) für die Presse die Wertschöpfung natürlich möglichst hoch ansetzt, kann man sich denken. In seiner Kärntner Heimat gab es mit Hannes Jagerhofer und seinem Beachvolleyball-Event ja ein sehr erfolgreiches Vorbild beim Wertschöpfungshochrechnen und der Alex Antonitsch wird sich da sicher was abgeschaut haben. 😊 Aber selbst wenn man da 20 - 30 % abzieht, ist das kein kleiner Betrag - abgesehen davon, dass die OHA ja den versprochenen und erwünschten Ausbildungszweck erfüllt hat.
Zu den Förderkosten, die dem entgegenstanden, habe ich nur Summen aus dem Sportbericht des NÖ Landtags 2015 gefunden.
Da werden € 30.000,000 für "BORG und BHAS für Leistungssportler St. Pölten: Jugendsport 2015, International Baccalaureate Diploma – Okanagan Hockey School" und € 162.000,00 für "Eishockey Club L. A. Stars: Jugendsport 2014/2015, Stipendien für „Okanagan Hockey School“ erwähnt. Das wären also Förderungen in der Höhe von € 192.000 für Ausbildungmaßnahmen. Ich habe keine Ahnung, ob das die gesamte Förderung war aber ReiniR hat als Insider ja eine ähnliche Summe auch schon bestätigt.
wir reden da von einer niedrigen, sehr niedrigen 6-stelligen Summe pro Jahr für in der Hochblüte rund 100 Eishockeyspieler
In 10 Jahren wären das also knappe 2 Millionen Euro Förderung gewesen. Wahrscheinlich eher weniger, wenn davor und in den letzten Jahren geringere Förderungen geflossen sind. Selbst wenn wir von Antonitschs 15 Millionen ein Drittel Übertreibungsrabatt abziehen, stehen den 2 Millionen Förderung immer noch 10 Millionen Wertschöpfung gegenüber plus die ganzen eigentlichen Leistungen der OHA, die ja erfüllt wurden. Da gibt es in Österreich ganz anders geförderte Erfolgsgeschichten, die nicht auf so eine Bilanz verweisen können.
Ich will am Ende aber aus der Ferne gar nicht darüber urteilen, ob die OHA oder ein anderes Förderprojekt effizienter für den niederösterreichischen Eishockeysport wäre. Es geht mir in erster Linie nur darum, dass die Einstellung der Förderung mit plumpem Populismus begründet wird ohne irgendwie auf die vielschichtigen Auswirkungen einzugehen und vor allem ohne einen Ersatz zu präsentieren. Dass Landbauers Botschaft aber natürlich verfängt, lässt sich ja in dem einen oder anderen Kommentar hier nachlesen. Da reicht das "Kein Steuergeld für Ausländer"-Argument für Zustimmung und das Thema ist erledigt - nachfragen und -denken nicht mehr nötig. Im Endeffekt ist das Ende der OHA derzeit ein kleinerer oder größerer Schaden fürs niederösterreichische Eishockey und ein Nachfolgekonzept von denen, die den Schaden anrichten, ist nicht in Sicht.
Was mich dazu noch interessieren würde, wären die Auswirkungen auf die Lower Austrian International School. Da scheint ja eine internationale Schule zum großen Teil von der OHA abhängig zu sein. Wird die dann auch eingestellt oder gibt es da noch genug andere Schülerinnen und Schüler, um das Angebot aufrecht zu erhalten?
Das wäre ja sonst noch ein zusätzlicher Hammer. Dann verliert St. Pölten möglicherweise auch noch dieses Angebot. Lokale Betriebe mit hohem Expat-Anteil würde das sicherlich auch sehr freuen. Wenn ich daran denke was anderswo an Steuergeld fließt, um so ein Bildungsangebot zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts überhaupt zu ermöglichen, dann relativiert sich die Fördersumme für die OHA ein weiteres Mal.