Neo-VSV-Boss: „Müssen aus Intensivstation raus!“
Los geht’s! Am Donnerstag übernimmt Oliver Bergauer als Geschäftsführer beim krisengebeutelten Eishockey-Klub VSV. Drei Wochen nach dem Untertauchen von Vorgänger Martin Winkler nach großen Finanzproblemen. Im „Krone“-Interview spricht er über die aktuelle Lage, die Prioritäten, Transparenz mit den Finanzen und warum er sich dieser Mammutaufgabe annimmt.
„Krone“: Herr Bergauer, ein ehrlicher Kassasturz wurde angekündigt. Wo steht der VSV finanziell nach ersten Einblicken?
Oliver Bergauer: Wir haben in den letzten zwei Wochen mit dem Vorstand intensive Gespräche geführt. Was wir im Moment erkennen, ist, dass der VSV in einer schwierigen finanziellen Situation ist. Das ist auch aus den öffentlich zugänglichen Bilanzen klar ersichtlich. Jetzt in meiner offiziellen Rolle folgt dieser Kassensturz, um zu sehen, wo wir wirklich stehen. Das ist der erste Schritt. Unsere Aufgabe als Organisation ist es, die finanziellen Rahmenbedingungen aufzustellen und in eine Stabilisierungsphase zu gehen. Bildlich gesprochen sind wir auf hoher See, die Wellen sind zehn Meter hoch und wir müssen durch dieses Wellental kommen. Es braucht Ruhe, Konsequenz und Klarheit.
Aber ist die Lage zu meistern? Sonst hätten Sie wohl kaum übernommen. . .
Natürlich! Ich gehe jetzt nicht her und schließe das Büro in zwei Monaten. Ich habe in Gesprächen gemerkt, wie groß die Unterstützung für diesen Klub bei Partnern, Sponsoren und Fans ist. Das gibt mir Kraft und Energie, den VSV durch dieses Wellental zu begleiten.
Der Job als Geschäftsführer klingt wie eine Mammutaufgabe – warum trauen Sie sich drüber?
Wenn man den Verein als Gesamtes beurteilt, dann ist der VSV eine extrem starke Marke, die österreichweit bekannt ist. Der Verein ist in der Stadt und in der Region eine Identifikationsfigur. Es muss jemanden geben, der die Verantwortung übernimmt und die Erfahrung hat. Ich war viele Jahre im Management tätig, weshalb ich mir das auch zutraue und den Mut dazu habe. Zudem braucht es einen Kommunikator, der Vertrauen zu Community, den Sponsoren und den Stakeholdern aufbaut – das kann eine interessante Tätigkeit sein, weil die Marke kräftig ist und eine Wucht hat. Villach braucht einen stabil geführten Klub in der ICE-Liga.
Es kann finanziell nicht so weitergehen wie in den letzten Jahren. Wir werden in Zukunft nur das ausgeben, was wir uns auch leisten können.
VSV-Geschäftsführer Oliver Bergauer
Wie transparent soll sich die finanzielle Gesundung gestalten? Wird’s Zahlen für die Öffentlichkeit geben?
Nach dem Kassasturz werden wir informieren, wie die Situation des VSV ist und was die Lösungsmodelle sein werden. Klar ist: Es kann nicht so wie in den letzten Jahren weitergehen. Wir müssen über Maßnahmen reden, die umgesetzt werden. Aber über konkrete Maßnahmen kann ich erst sprechen, wenn alles geprüft und bewertet wurde.
Das heißt der geplante Top-Center wird sich schwer umsetzen lassen?
Der VSV war drei Minuten davor, dass die Lichter ausgehen. Die oberste Priorität ist, die Organisation wirtschaftlich zu stabilisieren – und nicht, ob ein neuer Center für die erste Linie kommt. Da muss ich um Verständnis bitten. Wir werden in Zukunft nur das ausgeben, was wir uns auch leisten können.
Woher soll das Geld für die Gesundung kommen?
Wir sind ein wirtschaftlich ordentliches Unternehmen, haben Erlösmöglichkeiten und werden diese optimieren. Dazu hoffen wir auf die Fans, dass sie ihrem VSV helfen wollen und zu den Spielen kommen. Mit dem neuen, modernen VIP-Klub haben wir mehr Möglichkeiten, Gelder zu lukrieren. Der VSV ist eine geile und bekannte Sportmarke, da können unsere Partner eine Reichweite erzielen.
Im VSV-Büro gibt es kaum noch Angestellte, wie schnell muss sich das ändern?
Wir werden Mitarbeiter finden und wieder einen guten Staff im Büro aufbauen. Wir haben schon Bewerbungen da und sind zuversichtlich, dass wir zeitnah eine normale Organisation mit schlanker Struktur für eine professionelle Arbeit haben.
Sie kommen aus dem Eishockey, waren Cheftrainer in Gummern. Aber das Profigeschäft ist eine andere Liga – wer entscheidet sportlich?
Ich habe natürlich nicht mit Profis gearbeitet. Aber ich habe eine Ausbildung als Coach und verstehe etwas vom Eishockey, beobachte auch die internationale Entwicklung. Das ist ein Vorteil, wenn man das Spiel und das Business versteht. Zudem haben wir ein tolles Trainerteam, mit dem ich perfekt kommuniziere. Wir reden offen und ehrlich über alles.
Wie viele Jahre könnte es dauern, bis die Finanzen im grünen Bereich sind?
Zuerst müssen wir aus der Intensivstation rauskommen – der aktuelle Fokus ist es, den VSV zu stabilisieren. Wenn wir dann wieder auf beiden Beinen stehen, können wir uns überlegen, wie wir den Verein weiterentwickeln.
Ist noch Arbeit offen, um die Saison auszufinanzieren?
Klar müssen wir unseren Job machen, wir haben 170 Partner und Sponsoren, die sich entsprechende Leistungen erwarten. Wir freuen uns, dass wir eine Mannschaft haben, die mit dem Druck und dem Ballast aus den letzten Wochen umgehen kann und aus meiner Sicht gut in die Saison gestartet ist.
Was ist das Saisonziel? Sind es die Play-offs?
Ganz ehrlich: Die wirtschaftliche Stabilisierung ist aktuell das Wichtigste.