Jeff Tomlinson hat klare Vorstellungen, wie sein Team auftreten soll.
«Ich habe ein paar Macken»
Der neue Lakers-Trainer Jeff Tomlinson ist ein emotionaler Typ, der Wert auf Disziplin legt. Der 45-jährige Deutschkanadier nennt seine Aufgabe bei den Rapperswil-Jona Lakers reizvoll. Einen besonderen Reiz hat für ihn auch die Region mit See und den Bergen, und es erinnert ihn an Vancouver, seiner Lieblingsstadt.
Mit Jeff Tomlinson sprach Ruedi Gubser
Ihnen wird in Rapperswil-Jona ein heisser Empfang bereitet. Sie meinen das Wetter. Es ist tatsächlich sehr heiss. Ist das im Sommer immer so hier?
Es kann schon einige Hitzetage geben. Aber immer ist es nicht so heiss. Das ist gut so. Ich habe nämlich den Winter lieber.
Dann freuen Sie sich schon jetzt auf die Arbeit auf dem Eis? Ja. Und ich freue mich besonders auf meine neue Aufgabe, auf das neue Land, die neue Kultur, die neue Sprache, die nicht einfach zu verstehen ist. Ich freue mich darauf, ein neues Team aufzubauen. Diese Situation hatte ich bisher erst einmal im Farmteam bei den Eisbären Berlin. Sonst habe ich immer erfolgreiche Mannschaften übernommen.
Wie werden die Lakers mit Ihnen als Chef auftreten? Ich möchte ein aggressives, von Emotionen geprägtes, laufintensives Eishockey spielen. Ich werde die Jungs einfach loslassen. In der Vergangenheit hat ihnen diese Spielweise Spass gemacht. Die wollen Schlittschuh laufen. Ich hoffe, diese Art zu spielen gefällt den Zuschauern.
Das tönt nach einem Spiel, das viel Energie benötigt? Das ist so. Die Spieler müssen topfit sein. Ich habe mir das Konditionstraining bereits angeschaut und gesehen, dass die Trainer die gleiche Philosophie haben wie ich und mit ihrer Arbeit auf gutem Weg sind. Ich habe ihnen erklärt, wo die Spieler sein müssen, wenn wir aufs Eis gehen.
Werden Sie beim Kraft- und Konditionstrainingauch dabei sein? Ja. Sobald ich eine Wohnung gefunden habe, werde ich in die Schweiz ziehen und beim Trainingsalltag neben dem Eis anwesend sein.
Sie legen grossen Wert auf einen körperlichen Top-Zustand? So zu spielen, wie mir vorschwebt, kann man auch mit vier Blöcken nicht, ohne fit zu sein. Ich weiss nicht, ob die Lakers schon mal so gespielt haben, wie ich spielen lassen will. Das spielt auch keine Rolle. Egal welches System man spielt, man muss es einfach richtig spielen.
Die Detailpflege soll Ihnen ebenfalls wichtig sein.Wie ist das zu verstehen? Als erstes möchte ich, dass sich die Jungs benehmen, beispielsweise beim gemeinsamen Essen.Auf dem Eis müssen die defensiven Aufgaben erfüllt werden. In der Offensive gibts auch ein paar Regeln, aber dort lasse ich ihnen mehr Freiheiten, sich zu entfalten. Wichtig ist, dass man die eingeübten Details abrufen kann.Das heisst, jeder weiss, was der andere in dieser oder jener Situation macht.
Sind sie ein Kontrollfreak? Nein,überhaupt nicht.Für mich ist Disziplin einfach wichtig. Stoppt ein Spieler vor dem gegnerischen Tor nicht für einen Nachschuss, sondern fährt vorbei, kriegt er das zu hören. Ich habe auch ein paar «Macken», mit denen die Spieler umgehen müssen. Und ich bin ein Körpersprache-Typ. Deshalb möchte ich, dass meine Mannschaft mit breiter Brust,mit Körperspannung auftritt und Selbstvertrauen zeigt.
Auf Youtube gibts ein Video,in dem sprechen Sie nicht nur durch ihren Körper, sondern auch mit dem Mund und brauchen einige Male das F-Wort. Sind Sie sehr impulsiv? Poah. Mein Kinder sahen das und konnten es nicht glauben.So haben sie mich noch nie gesehen. Das war eine Ausnahme. Ich bin zwar ein sehr emotionaler Typ, habe aber meine Emotionen im Griff. Aber das in diesem Video war eine besondere Situation, weil wir in einem Drittel fünf Gegentore erhielten.
Sie waren einmal mit Nürnberg in Rapperswil-Jona für ein Testspiel zu Gast. Gefiel es Ihnen damals so gut …… dass ich zurückkommen wollte. Ja....Ich erinnere mich an meinen ersten Blick auf Rapperswil. Bei der Anreise im Bus war ich in meinen Laptop vertieft. Als ich hochblickte, wir fuhren gerade über den grossen Damm, sah ich die Stadt, den See, die Berge, und ich dachte: Wow... Das war ein unglaublicher Blick. Beeindruckend.
Hat Sie dieses Erlebnis beeinflusst, als die Anfrage der Lakers kam? Auf jeden Fall. Der See und die Berge erinnern mich an Vancouver, die meine Lieblingsstadt weltweit ist. Hier in Rapperswil ist es ähnlich. Mich hat aber das gesamte Paket der Lakers beeindruckt. Das ganze Paket, das sind der Wille, einen Neuanfang zu wagen, die Leute der Geschäftsstelle, die hochmotivierten Spieler,die alle besser werden wollen. Ich spüre die Energie im Klub – auch in der Geschäftsstelle. Da sind neue Leute dabei, die wissen, das ist die Chance, etwas gutzumachen, etwas aufzubauen. Bei so einem Neuaufbau dabei zu sein, ist für mich sehr reizvoll.
Wie kam der Kontakt zu den Lakers zustande? An der WM in Tschechien gab mir der Videotrainer der Schweiz den Tipp, dass in Rapperswil-Jona noch ein Trainer gesucht werde. Und ich dachte: wau, okay. Danach stellte ein Freund von mir, ein Agent, aber nicht meiner, den Kontakt zu den Lakers her. Und dann ging alles sehr schnell.Es ist nicht selbstverständlich von einem deutschen Spitzenklub in die NLB zu wechseln.Für mich ist das kein Rückschritt. Es ist vielmehr eine neue Herausforderung. Auch in der NLB wird gutes Eishockey gespielt. Und es gibt bei den Lakers Ziele, die wir erreichen wollen. Das Arbeitsumfeld ist wichtig. Ich würde nicht zu jedem NLB-Klub gehen. Ich habe auch Angebote aus anderen europäischen Ligen abgelehnt, weil die Aufgabe für mich nicht reizvoll war.
Sie möchten mit den Lakers Erfolg haben. Wie definieren Sie Erfolg? Erfolg ist, wenn die Spieler jeden Tag besser werden, wenn sie das System immer besser verstehen. Wir werden Fehler machen, Rückschläge haben. Wenn ich sehe, dass sich das Team und jeder Einzelne entwickeln, ist das für mich erfolgreich. Die Summe der Verbesserungen sind die Siege.
Haben Sie sich einen bestimmten Rang zum Ziel gesetzt? Nein. Meine erste Aufgabe ist, die Spieler kennenzulernen. Ich muss wissen, wie sie ticken, wie sie auf dem Eis sind, wo am besten einsetzbar.
Ist es gut für Sie, bei Null zu beginnen? Ja, das ist für mich unglaublich reizvoll. Meine Begrüssungsrunde in der Garderobe war ein echt schönes Gefühl. Ich habe den Jungs in die Augen geschaut und viel Energie gesehen. Die Garderobe ist voll von jungen Spielern, und ich hoffe, dass sie diese Energie in jedes Training mitbringen. Dann werden sie sich entwickeln.
Sie haben zwei Kinder. Die spielen bestimmt Eishockey? Nein. Der 16-jährige Zach ist Weltmeister im Seilspringen. Es gibt 13 verschiedene Sparten. Sein Rekord beträgt 194 Umdrehungen in 30 Sekunden. Vielleicht kann er den Spielern mal eine Lektion im Seilspringen geben. Der jüngere, Conner, ist 14 und sehr intelligent, hochbegabt. Erklärt er mir was, komme ich nicht mehr mit.
Wird Ihre Familie auch in die Schweiz ziehen? Nein. Ich bin geschieden. Und die Kinder bleiben in Amerika. Ihr Lebensmittelpunkt ist dort.
Nun fehlen den Lakers noch die ausländischen Spieler. Suchen Sie diese? Das machen wir gemeinsam. Es gibt einige interessante Quellen: Zum Beispiel das Team Canada. Hier habe ich noch die Telefonliste aller Spieler.
Mit Derrick Walser zusammen sind Sie in Berlin Deutscher Meister geworden. Seine Telefonnummer haben Sie bestimmt auch? Ich habe seine E-Mail.Ihn wollte ich sowieso kontaktieren,um Informationen einzuholen.
Wie sieht es mit einem Trainer-Assistenten aus. Bringen Sie den mit? Das ist noch offen. Es kann sein, dass ich jemanden mitbringe. Es kann aber auch sein, dass ich jemanden von hier nehme.