Stasi 2.0! In den ehemaligen kommunistischen Ländern wurde die Überwachung der Bürger in den letzten Jahren eigentlich stetig abgebaut. In der sogenannten westlichen Welt, die sich immer damit rühmte, solche unmenschlichen und nicht zeitgemäßen Methoden nicht anzuwenden, entwickelt man sich genau wieder in die Richtung der staatlichen Überwachung.
Also ich persönlich halt nicht viel von der Vorratsdatenspeicherung. Viel mehr Sorgen bereiten mir aber trotzdem die Absichten rund um ACTA, das wäre ein wesentlich gravierender Einschnitt ins Internet, wie wir es jetzt kennen. Und dieses Internet soll so bleiben, wie es ist, weil es gerade das ist, das das Internet besonders macht. Ein relativ gesetzloser Raum, der noch nicht komplett von kommerziellen Absichten übersät ist und jede Menge nützlicher Informationen und Dienste frei und kostenlos nutzbar ist. Allerdings zeigt die Tendenz der letzten Jahre wohl, dass früher oder später wohl jede Information im Internet Geld kosten wird.
Bei allen Bedenken zur Vorratsdatenspeicherung sei jedoch gesagt, dass die Situation weit weniger schlimm ist als dies wahrgenommen wird. Es werden nämlich weit weniger Informationen gespeichert als die meisten Bürger denken.
Es geht keinen Innenminister und keinen Verfassungsschützer einen Dreck an, mit wem unbescholtene Bürger telefonieren und auf welchen Seiten sie surfen und das soll so bleiben bzw. wieder so werden.
Auch wenn ich größtenteils mit deinem Post konform gehe, deine Infos sind teilweise einfach nicht richtig: Die Daten, wer mit wem wo telefoniert hat, werden tatsächlich gespeichert, die Seiten, die ein Internetnutzer ansurft, jedoch nicht.
Will irgendwer wirklich solchen Figuren (und in naher Zukunft womöglich einem Innenminister Kickl oder Vilimsky) die Möglichkeit in die Hand geben, auf seinem Laptop mitzulesen?
Was soll er denn mitlesen? Inhalte werden zum Glück nicht gespeichert, weder von Telefonaten noch vom Mailverkehr. Außerdem sollte das Ministerium eigentlich keine Möglichkeit haben, auf diese Daten zuzugreifen, aber wer kann das schon wissen?
Also was wird eigentlich gespeichert:
- Absender, Empfänger von Mailnachrichten, also eigentlich alles, das über das SMTP-Protokoll läuft. Nicht jedoch der Inhalt der Mail.
- Anrufer und Empfänger von Telefonaten, Standort und Zeit. Hier ebenfalls nicht der Inhalt.
Summa summarum find ich das ja schon schlimm genug, trotzdem muss ich sagen, dass man mit der Art der Daten, die gespeichert werden, noch halbwegs leben kann. Solang keine Inhalte gespeichert werden, is es zumindest für mich nicht so schlimm wie erst befürchtet. Was aber nicht heißen soll, dass ich kein Gegner solcher Aktionen bin bzw. diese sogar noch gutheißen möchte.
Und dubios ist diese ganze Geschichte obendrein, weil ich versteh den Sinn in dieser Form nicht ganz. Einerseits sagt man, es diene der Verfolgung von Straftaten, auf der anderen Seite werden nur Daten gesammelt, die diesbezüglich wohl eher weniger zu gebrauchen sind. Und abgesehen davon finde ich es sehr lustig, dass man im Ministerium offensichtlich denkt, man könne mit der Protokollierung der Daten, die über das SMTP-Protokoll laufen, irgendwelche Straftaten verfolgen. Mann oh Mann, erstens denke ich nicht, dass kriminelle Organisationen ihre Infos tatsächlich über Mail austauschen und zweitens kann man Nachrichten theoretisch auch über jedes andere Protokoll übermitteln. Kriminelle Organisationen könnten demnach ihre Infos über HTTP austauschen, ohne dass diesbezüglich irgendwelche Daten gesammelt werden.
Irgendwie schon recht verwirrend: Da werden Daten mit dem Vorwand der Verbrechensbekämpfung gesammelt und dann handelt es sich um Daten, die einem diesbezüglich kaum nützlich sein können. Soll nicht heißen, dass ich der Meinung wäre, dass man noch mehr Daten sammeln sollte, verstehen tu ich diese Maßnahme aber trotzdem nicht.
Aber das ist im Endeffekt wohl auch nur eine Bestätigung dessen, was ich mir denke: Das ist alles nur ein Vorwand, um das Internet in eine Richtung zu lenken, die bessere Kontrolle des Staats ermöglicht. Anscheinend ist den Politikern die Meinungsfreiheit und alle damit verbundenen Möglichkeiten im Internet zu mächtig geworden. Was kommt als nächstes? Ein Massengemetzel bei einer friedlichen Demonstration??[kopf]
Ach ja, hier noch ein Artikel, der auflistet, was alles gespeichert wird:
http://help.orf.at/stories/1676648/
edit: Und noch als Nachsatz, da ich den Thread erst jetzt vollständig gelesen hab: Es geht da tatsächlich nicht darum, ob man was zu verbergen hat oder nicht und nichts zu befürchten hat, wenn man keine Straftat begeht. Allein die Tatsache, dass diese Daten missbraucht werden könnten, geht schon zu weit. Man stelle sich nur vor, Leute wie Hitler hätten damals schon solche Möglichkeiten gehabt, dann würds heute wohl keine Juden mehr geben, weil sich keiner erfolgreich verstecken hätt können
Mag sein, dass dem Großteil der Leute egal ist, wenn ihre Daten gesammelt werden, für Minderheiten, Menschen mit Krankheiten usw. ist dies mit Sicherheit ein wenig problematischer.