https://www.kleinezeitung.at/sport/eishocke…r-die-Villacher
Könnte jemand den Artikel rein stellen? Sollte es schon passiert sein tut es mir leid 😂
Analyse zu den VSV-Transfers"Der Start könnte für die Villacher bereits entscheidend sein" Der VSV hat sich für die kommende Saison ehrgeizige Ziele gesteckt. Mit Dan Ceman wurde ein neuer Trainer verpflichtet und wieder der nordamerikanische Weg eingeschlagen. Hohe Aktivität auf dem Transfermarkt. Erfolg scheint für den Klub überlebenswichtig zu sein. Von Martin Quendler | 20.14 Uhr, 30. August 2020
Wie ein Rennpferd in der Startbox, zappelig auf den Startschuss wartend, präsentierte sich der VSV. Bis endlich der Transferstopp, eine informelle Vereinbarung unter den Liga-Klubs, die ein Wettrüsten im Schatten der Ungewissheit von Corona verhindern sollte, am 6. August aufgehoben worden ist. Hinter den Kulissen jedoch war es nicht überall so still, wie es den Anschein hatte. Jeder wollte als Führender in die erste Kurve und die Villacher vielleicht noch mehr als andere Klubs. "Unser klares Ziel ist das Viertelfinale. Wir richten aber den Blick weiter nach oben", erklärt VSV-Vorstand Gerald Rauchenwald. Die Villacher wissen, dass die Zuschauer und die Stimmung in der Bevölkerung der entscheidende Faktor für den wirtschaftlichen Erfolg bedeuten. Eine neuerliche Spar-Saison können und wollen sich die Verantwortlichen nicht leisten.
Ausgeklammert von der Transfer-Bestimmung wurde das Trainerpersonal. Und ausgerechnet hier sorgten die Blau-Weißen das erste Mal für Aufsehen. Wenn Trainer auf Jobsicherheit achten, sind sie in der Draustadt mittlerweile falsch. Dan Ceman wurde zum sechsten Headcoach seit 2017 ernannt. Obwohl eigentlich alles für Rob Daumgesprochen hatte, der erst Anfang Februar Jyrki Aho abgelöst hatte und durchaus erfolgreich gearbeitet hatte. "Niemand ist sakrosankt", wird Rauchenwald nicht müde zu betonen. Und in der finalen Verhandlungsphase kam es tatsächlich zu folgenreichen Diskrepanzen. Der VSV fackelte nicht lange. Cemans Vita, zwei Meistertitel in Dänemark und einen in der Slowakei, lässt erahnen, was sich die Blau-Weißen so schnell wie möglich von ihm versprechen. Eine Play-off-Qualifkation wird vorausgesetzt, die Messlatte wurde eben nach oben geschraubt. Eine erfreuliche Entwicklung: Marco Pewal und Patrick Machreich komplettieren den Trainerstab mit viel Einsatzbereitschaft und Akribie.
Die Torhüter-Position musste nach dem Abgang von Glücksfall Brandon Maxwell (nie ernsthaft verletzt) neu besetzt werden. Neo-Keeper Tyler Beskorowany wird ebenfalls zum Marathon-Mann mutieren müssen. Dass Alexander Schmidt, der U20-WM-Held von 2019, eine ernsthafte Alternative darstellen darf, ist zu bezweifeln.
VSV fischt nur noch in Übersee
Die finnische Philosophie wurde in Villach, auch aufgrund des Aho-Abganges, wieder ad acta gelegt. Auch in der Kaderplanung. Der Kanadier Ceman muss sich mit keinen Nord-Europäern plagen. Nicht nur im Tor stellte sich der VSV neu auf. Gezwungen durch teils schmerzhafte Abgänge. Wie etwa Anton Karlsson, mit Bernd Wolf (Lugano) und Alexander Lahoda (Linz) verließen zwei solide Österreicher den Klub. Die Villacher erledigten jedoch ihre Hausaufgaben. Für mehr rot-weiß-rote Kadertiefe holten sie Philipp Kreuzer, Daniel Wachter, Christof Wappis sowie Julian Kornelli und Sebastian Zauner.
Im Vorjahr noch gescheitert, klappte nun die Verpflichtung von Raphael Wolf. Weichen musste jedoch Urgestein und Nationalteam-Spieler Markus Schlacher (drei Liga-Angebote liegen vor, ein Karriereende steht im Raum). Ob seine Routine so leicht zu ersetzen sein wird? Andererseits muss dem Klub eine Verjüngung (Wolf) gestattet sein. Der VSV lieferte einen pikanten Grund, der gegen Schlacher gesprochen hatte: "Er verfügte für unsere Kaderplanung über einen zu hohen Punktewert", erklärte Rauchenwald. Offenbar sprachen die 2,5 Punkte Schlachers gegen ihn und für Stefan Bacher.
Zu den bestehenden Imports wie Jamie Fraser, Kevin Schmidt, Patrick Bjorkstrand, Chris Collins und Jerry Pollastrone gesellten sich Matt Mangene, Sahir Gill und Scott Kosmachuk. Vor allem Letzterer soll sich als "echter Goalgetter" (Zitat: VSV-Transfermeldung) erweisen. Allerdings hat der 26-Jährige auf keiner seiner bisherigen Stationen im Erwachsenen-Eishockey mehr als 20 Saisontore erzielt. Weil jedoch in Villach die Ansprüche gestiegen sind, könnte es im Angriff früher oder später eng werden. Wie man es dreht und wendet: Die Blau-Weißen benötigen einen weiteren Center. Laut Rauchenwald soll ein Stürmer auf der Einkaufsliste stehen. "Mit zehn Imports hätten wir exakt 59 Punkte", so der Villacher. Hinter den Kulissen spekuliert der Klub damit, dass Michael Raffl (Philadelphia Flyers) und/oder Michael Grabner (Arizona Coyotes) bis zum NHL-Saisonstart für die Blau-Weißen spielen. Ebenfalls positiv: Der Anteil an Spielern aus der eigenen Stadt liegt über den Liga-Schnitt.
Österreich lockt Spieler an
Wie überall hat sich die Corona-Pandemie auch in Villach auf das Budget ausgewirkt. Zahlen nennt Rauchenwald nicht. Warum dennoch der Transfermarkt so intensiv bearbeitet werden konnte? Rauchenwald: "Die Gehälter bei Top-Spielern aus der AHL und DEL sind gesunken. In Deutschland ist der Start noch ungewiss. Österreich hat heuer den Bonus, dass wir über ein funktionierendes Sozialsystem verfügen. Stichwort Kurzarbeit. Andere Ligen können das nicht behaupten."
Nachhaltige Schwierigkeiten könnte jedoch ein Totalausfall von Ticketeinnahmen bedeuten. "Davon wären aber alle betroffen", meint Rauchenwald. Ob Livestreams eine Alternative dazu wären? "Die Produktion kostet viel Geld. Livestreams könnten nur unterstützend wirken, niemals aber die fehlenden Zuschauereinnahmen kompensieren", meint der VSV-Sportvorstand.
Unterluggauer rehabilitiert
Wessen Handschrift der neue Kader nun trägt? "Wir haben die Mannschaft gemeinsam zusammengestellt", gewährt Rauchenwald Einblick und spricht damit den, in Villach nicht unumstrittenen Gerhard Unterluggauer an. Der Sport-Manager scheint bei den Blau-Weißen hingegen wieder das volle Vertrauen zu genießen. Wie abzulesen, tendiert er bei Imports immer eher zu Nordamerikanern. Sein (ursprünglicher Trainer-)Vertrag läuft mit Saisonende aus.
Ob ihn sich der VSV weiterhin leisten kann/will? Rauchenwald: "Wir hatten noch keine diesbezüglichen Gespräche. Ich bin aber mit seiner Arbeit sehr zufrieden. Wir sind zwar nur ein kleiner Klub, benötigen jedoch trotzdem einen Sportdirektor wie ihn." Der Klub rechnet damit, dass mit Fortdauer der Saison auch Konkurrenten mit Transferkalibern aufzeigen wollen. Vor allem jene, die bis dato eine noch eher defensive Haltung einnehmen.
Fazit: Die Vorsaison muss aus den Köpfen, nichts darf vorausgesetzt werden. Schon gar nicht in Zeiten von Corona (mit möglichen Quarantäne-Fällen). Die Villacher verfügen über eine interessante, talentierte Mannschaft. Allerdings wird eine Meisterschaft nie auf dem Papier ausgetragen. Alle müssen liefern. Die erste Kurve kann für den VSV in dieser Saison bereits entscheidend sein. Sich im vorderen Feld zu bewegen (und bis Ende des Grunddurchganges vielleicht sogar dort zu bleiben) kann in einer hitzigen Umgebung für entspannte Gemüter sorgen. Denn das aktuelle Geschäftsmodell des VSV beruht auf dem Erfolg der ersten Mannschaft.