Ein bisschen Geduld und ein hohes Maß an Vernunft
LINZ. Black-Wings-Präsident Freunschlag wähnt sich auf der Siegerstraße, der EHV Linz bleibt hartnäckig.
Peter Freunschlag fühlt sich im Linzer Eishockeykonflikt auf dem längeren Ast. Eines können der streitbare Black-Wings-Präsident und der von ihm installierte General Manager Gregor Baumgartner auf jeden Fall für sich verbuchen: die mit Abstand längste "Pressekonferenz" in der Klubgeschichte. Dieser Medientermin zog sich – beginnend mit der Einreichung von mehr als 40 Journalisten- und Fanfragen bis Mittwoch, 12 Uhr (eigentlich können die OÖN das gar nicht wissen, denn sie wurden, ob zufällig oder nicht, gar nicht eingeladen), über eine häppchenweise Beantwortung bis zur Veröffentlichung der finalen Videosequenzen – zwei Tage hin.
Mit 3,8 Millionen zum Titel?
Freunschlag glaubt, alles zu haben, was es für Spitzen-Eishockey in Oberösterreich braucht: Nach dem Einlenken der Linz AG kalkuliert der 50-jährige Unternehmer mit der Halle (dieser Deal wird erst zu verhandeln sein), er rechnet mit einem 3,8-Millionen-Euro-Budget, er hat laut eigenen Angaben zwei Drittel des Kaders fixiert und eine Mannschaft, die um den Titel mitspielen wird. Außerdem ist Freunschlag felsenfest davon überzeugt, den Nachwuchs in seinem Verein halten zu können.
Wohl auch deshalb, weil er ihm die mutmaßlich bessere Perspektive bieten kann. Denn Freunschlag verfügt über eine Lizenz für die höchste Spielklasse, die man ihm seines Erachtens nicht entziehen kann. Man könne sie maximal ruhend stellen, wenn Freunschlags Black Wings doch nicht die Linz-AG-EisArena zugesprochen bekommen würden.
Außenstehende und besorgte Anhänger der gepflegten Puckjagd neigen dazu, das als Warnung zu verstehen: keine Halle für mich, kein Spitzen-Eishockey für ein Jahr. Denn: "Ein zweiter Verein hat eigentlich keinen Platz."
Keine Spur von Resignation
Angesprochen ist der neu gegründete Eishockey-Verein Linz, um den es in den vergangenen Tagen eher ruhig geworden ist. Es gibt Fans, die so etwas wie Resignation im Team um Sprecher Karl Egger befürchten. Doch davon kann gar keine Rede sein. Die Damen und Herren gehen unbeirrt ihren Weg, es sind etliche Hürden zu nehmen auf dem Weg zur Lizenz, die am Ende des Tages nur für einen Linzer Klub zu bekommen sein wird.
Ein rund 20-seitiger Anforderungskatalog ist abzuarbeiten, dann braucht es eine Zweidrittelmehrheit. Die Abstimmung (Stand jetzt mit Freunschlag) muss von Vernunft geprägt sein – und nicht von Emotionen, mit denen Freunschlag auch spielt.
Da könnte man dann schon dazu neigen, bei seinen Präsidentenkollegen die pure Angst zu schüren. Frei nach dem Motto: "Seht her, was euch passieren kann, wenn ein böser Manager mit zu viel Macht ausgestattet ist." Der "Böse" aus der Sicht von Freunschlag ist Christian Perthaler, ohne den es die Black Wings nach dem Konkurs 2005 gar nicht mehr gäbe. Und nein: Das sagt nicht der hier Gelobte, es kommt aus dem Mund damals involvierter Personen.
Perthaler zieht nun gemeinsam mit Wirtschaftsanwalt Peter Vogl die Fäden bei der Opposition. Also bei jenem EHV Linz, über den Freunschlag sagt, dass er es sich immer noch vorstellen könne, sich mit selbigem an einen Tisch zu setzen. Um gleichzeitig zu betonen, dass er keine Gedanken daran verschwende, das Präsidentenamt aufzugeben. Wie ist das zu verstehen? Vielleicht so, dass die Gegenspieler jetzt zu Kreuze gekrochen kommen, weil er (angeblich) all das hat, was die anderen nicht haben.
Keine Verhandlungsbasis
Das wird’s nicht spielen. Für eine Gesprächsbasis fehlt dem EHV Linz Freunschlags Sanktus, Einsicht in die Bücher zu nehmen. Laut Freunschlag sind Verein und beide GmbHs finanziell vielversprechend aufgestellt.
Vertrauen ist gut, Kontrolle besser. Man kauft ja auch kein Auto, ohne es vorher gesehen und probegefahren zu haben. Weil das nicht möglich ist, gibt es keine Verhandlungen. Auch etliche Vermittlungsversuche der Fanclubs waren zum Scheitern verurteilt.
Wie auch immer: Der EHV Linz rüstet sich für den Liga-Start am 18. September (wenn dieser Termin hält) – und auch für Duelle mit den Bratislava Capitals, die gestern einstimmig als zwölfter Verein ins Oberhaus aufgenommen wurden.
Jetzt braucht es noch ein bisschen Geduld und natürlich Vernunft. Dann wird es auch in Linz weiterhin Spitzen-Eishockey geben. Und zwar zeitnah.