als ob eine "Diplomarbeit" der Beweis wäre, ein guter Akademiker zu sein/zu werden - alleine dass es zum "Sport" ausgeartet ist, Fehler von anderen zu suchen, ist eigentlich entbehrlich. Mal angenommen es schreiben 100.000 angehende Akademiker ihrer Diplomarbeit zum gleichen Thema, wird die größte Challenge und Zeitaufwand die Recherche sein ob nicht schon irgendwer, irgendwann, irgendwo die gleiche Wortsequenzen verwendet hat und in Folge den gleichen Inhalt umzuformulieren - ausgesprochen sinnvoll
Selten, aber doch kann auch eine Diplomarbeit den Beweis dafür liefern, dass ihr:e Verfasser:in eine gute Wissenschafter:in ist. Hängt neben dem Talent insbesondere davon ab, wie viel Fleiß und Zeit dafür aufgewendet wird.
Wenn man bedenkt, dass man für den Erwerb der Fähigkeit, kreative innovative Lösungen zu finden, so an die sieben Jahre Beschäftigung mit einem Fachgebiet braucht, dann verwundert es nicht, dass viele wissenschaftliche Arbeiten, die die Studierenden zu verfassen haben (Seminar-, Bachelor-, Master und Diplomarbeiten und Dissertationen), eher selten - was aber eigentlich der auch gesetzlich geforderte Zweck dieser Arbeiten wäre - neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu Tage fördern, sondern sich in der Zusammenfassung bereits gewonnener Erkenntnisse erschöpfen.
Hier geht es aber nicht darum. Sondern um die "Formalien" wissenschaftlicher Arbeiten, konkret um das korrekte "Zitieren" der von anderen übernommenen Erkenntnisse.
Popper hat seine Diplomarbeit an der Technischen Universität über "mathematische Modelle" der Durchblutung der Lunge verfasst. Damit dies verständlich wird, hat er zunächst die Funktionsweise der Lunge beschrieben, was rund die Hälfte der Diplomarbeit ausmacht. Woher Popper all diese medizinischen und vermutlich auch physikalischen Erkenntnisse über die Funktionsweise der Lunge hat, hat er nicht durch Zitate gekennzeichnet und der Betreuer seiner Arbeit hat dies augenscheinlich nicht moniert und die Verbesserung nicht aufgetragen. Das und die nicht zB durch Anführungszeichen gekennzeichnete Übernahme fremder Texte sind die Vorwürfe Webers, die ich absolut teile, der ich ein Berufsleben lang solche Arbeiten korrigiert, betreut und beurteilt habe. Und dies heute noch mache.
Nur wenn es sich bei diesen ersten 30 Seiten über die Funktionsweise der Lunge um - was ich bezweifle - Allgemeinwissen handelte, wäre das Zitieren von Erkenntnisquellen entbehrlich gewesen.
PS: Das Heftigste, was mir je passiert ist, war eine rechtspolitische Diplomarbeit über "Rasterfahndung" eines tiroler Studenten mit kräftigem Oberländer Dialekt. So flüssig und gut geschrieben, dass ich mich selbst getadelt habe: "Das hätte ich ihm nicht zugetraut!" . Dann in der Mitte der Arbeit zwei, drei Seiten unverständlicher Quatsch à la Aschbachers Seepocken. Und danach wieder flott und untadelig. Und zum Schluss links zu zwei Artikeln des "Der Spiegel", "sollte der Leser Lust auf weitere Informationen haben". Hatte ich. Beide Artikel mit copy und paste in die Diplomarbeit gebeamt, nur die zwei, drei Seiten Quatsch waren vom Studenten. Er hat sein ReWi-Studium dann an der Uni Wien fortgesetzt, wo keine Diplomarbeit geschrieben werden muss.