Zum Thema face off eine kurze Einführung
Zunächst war die Frage, wie dies im Nachwuchs aussieht. Man beginnt ein gesteuertes Faceofftraining zwischen 9-10 Jahren. Zuvor bringt das Ganze nicht all zu viel, da die notwendigen eisläuferischen und stocktechnischen skills noch zu wenig ausgeprägt sind. in diesem Alter sollte man auch darauf achten, dass sämtliche Spieler an dieser Ausbildung teilnehmen, weil ja eine Festlegung einer Spielerposition dann erst später erfolgen sollte.
Am Beginn kommt das Ganze eher einem Wegwischen der Scheibe in Richtung eines Mitspielers gleich, und erst mit steigernder Entwicklung der Fähigkeiten kann man schrittweise zu den einzelnen Techniken übergehen.
Eine alte „ Weisheit“ besagt wer mehr Bullys gewinnt, wird in der Regle auch das Spiel gewinnen, weil ja Bullygewinn mit Scheibenbesitz gleichzusetzen ist und somit mit vermehrten Spielanteilen einhergeht.
Nun zu den sogenannten Bully spezialisten . es gibt wirklich Spieler, die als wahre Bullykönige bezeichnet werden können. Spieler wie ein Arcobello , Slater oder Santala oder in der EBEL ein Spurgeon ,Walter,Schofield, Koch oder ein Timmins, fallen mir jetzt auf die Schnelle ein. Sehr oft werden bei einer Bewertung eines Stürmers zwar viele andere Werte beurteilt und beobachtet, aber auf diesen aus meiner Sicht ebenfalls sehr wichtigen Wert der Bullygewinne , wird oft von vielen Fans zu wenig geachtet.
Diese Bullyspezialisten trainieren solche Sachen regelmäßig am Eis und befassen sich darüber hinaus auch mit dem möglichen Gegenüber und unter anderem auch bis hin zu den Gepflogenheiten der Lines. Dies ist insofern von Bedeutung , da jeder Bullygegner und Linesman seine Eigenheiten besitzt. Das beginnt von der Körperstellung über die Schlägerhaltung bis hin zur Einwurfangewohnheit eines Linesman.
Nun zu eigentlichen Bullyausführung . Man unterscheidet hier zunächst einmal, bei welchem Anspielpunkt und in welcher Spielsituation ein Bully stattfindet. Es ist ein wesentlicher Unterschied, ob zum Beispiel ein Bully in Überzahl in der OZ stattfindet oder eben ein faceoff in UZ in der DZ. Von dieser Spielsituation hängt schon einmal die Bullyaufstellung ab. Denke aber, dass dies hier näher zu erläutern, zu weit führen würde und wäre wenn schon in einem gesonderten Beitrag zu behandeln.
So welche Punkte gilt es zu beachten .
Der Bullyspieler gibt die Aufstellung vor. Dieser gibt durch ein Zeichen oder eben durch einen kurzen Code bekannt; welche Variante er gedenkt zu spielen bzw eben welchen Mitspieler er anzuspielen versucht. Bevor er sich dann zur Ausführung des Bullys begibt kontrolliert er, ob seine message angekommen ist bzw ob die Mitspieler richtig stehen.
Zuvor checkt er natürlich auch; wer sein Gegenüber beim Bully sein wird. Hier sind wir jetzt bei dem Punkt , welchen ich zuvor angeschnitten habe. Er muss sich Gedanken machen , ist sein Gegenüber Links oder Rechtsschütze , weil es davon auch abhängt,wie er dann versuchen wird, die Scheibe zu spielen. Wendet sein Gegenüber eine gewisse Grifftechnik an . Ist sein Gegenspieler eher größer oder kleiner -. Ebenso beobachtet er, ob er ein Zeichen oder Zuruf seinen Bullypartners erkennen kann und damit sein Vorhaben erkennt .
Als nächstes gilt es, den Linesman zu checken. Einige werden jetzt sagen, was soll hier schon großartiges sein. Es kommt zum Beispiel darauf an, wie tief geht ein Lines dabei in die Hocke. Es gibt einige die werfen die Scheibe aus relativ größer Höhe ein, andere liegen dabei fast auf dem Eis . als nächstes lernt man die gewissen Vorlieben der Lines kennen. Einige warten relativ lange bis sie die Scheibe fallen lassen andere wiederum sehr schnell. Ebenso gibt es lines , welche die Scheibe wirklich runterwerfen andere wiederum lassen sie einfach aus. Als weiteres muss man immer in Betracht ziehen, wie sich eine jeder Lines nach dem Bully verhält. einige bringen durch hektisches Weglaufen so einiges in einem Plan durcheinander, andere wiederum verharren ziemlich ruhig bis die Situation geklärt ist .
So nun geht es an die hand eye coordination. Je tiefer ein bullyausführender Spieler steht, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit das faceoff zu gewinnen. Wie gesagt natürlich geht es sehr wohl um eine gewisse Reaktionszeit , allerdings muss für einen Bullygewinn das gesamte package passen. Der Bullyspieler muss sowohl auf der Vorhand als auch auf der Rückhand sehr scheibensicher sein. Hier gibt vor allem bei kleinen jungen boys hin und wieder Probleme beim backhand . richte den Blick immer auf die Puckhand des lines . viele schauen immer auf das Eis bzw den Gegner an, wodurch sich natürlich die Reaktionszeit verzögert und die hand eye coordination zu spät ausgelöst wird.
Genauso muss jeder Bullyspieler darauf vorbereitet sein , dass er die Scheibe unter Umständen mit dem Schlittschuh spielen muss. Das bedeutet er muss sein standing und positioning so wählen , dass er ohne große Umstände die Scheibe kicken kann , ohne dabei extrem aus dem Gleichgewicht zu gelangen bzw sogar hinzufallen.
Das Problem mit der Stockaufstellung bzw . die Tricks, welche einige gute Bullypieler mit dem stickhandling hatten, gehören ja auf Grund der Neuregelung beim Bully der Vergangenheit an .
Und eines sei zum Abschluss noch erwähnt und zeichnet besonders gute Trainer aus . in wirklich brenzligen und vlt spielentscheidenden Situationen bringt ein erfahrener guter Trainer seine beiden besten Bullyspieler gleichzeitig auf das Eis. Unabhängig von der Linienzusammenstellung . was meine ich damit . nehmen wir ein Beispiel heran. Spielstand -1, Überzahl und von mir aus 20 Sekunden auf der Uhr . ich muss diese Bully unbedingt gewinnen, um zumindest eine theoretische Chance zu besitzen, bei Scheibengewinn im PP noch eine Chance vorzufinden. In so einem Fall bringt ein gewiefter Trainer seine beiden besten Bullyspieler, um dann auch noch stark aufgestellt zu sein, wenn sein first player vom face off wegeschickt wird.
So ich hoffe ich konnte dies ein wenig darstellen und hier noch zwei Videos dazu