Ein Hosianna wird es nicht brauchen. Wenn man nüchtern die Sache betrachtet, wurden peinliche Klatschen gegen die Top-Nationen erfolgreich abgewendet, teilweise sogar Sensationserfolge gefeiert, welche durch ihre mediale Verbreitung der Stellenwert des Eishockeysports in Österreich nur gut tun können. Selbst Arbeitskollegen, die mit Eishockey nichts zu tun haben, haben mich nach den Tschechien- und USA-Spiel auf unsere Nationalmannschaft angesprochen. Letztendlich weiß der durchschnittliche Österreicher nicht, wie LAT, NOR, KAZ, GBR, FRA vom Niveau her einzuordnen sind, dass CZE und die USA Großmächte sind, ist den meisten aber untergekommen. Erfolge gegen diese Nationen sind daher für die Breitenwirkung wichtig.
Diesen Erfolgen ist negativ gegenüberzustellen, dass man gegen die Nationen, die uns vom Niveau her nahe sind, in diesem Fall NOR und GBR, mit Abstand die undisziplinierteste und schlechtesten Leistungen abgerufen hat und aus meiner Warte mehrheitlich in Muster verfallen ist, die ich von den Spielern nur aus der Liga kenne. Wenn die Nokia Arena und die Trikots mich nicht von der Realität überzeugt hätten, wäre ich davon ausgegangen, einen "Ligakracher" Ende Oktober zu verfolgen, bei denen die Spieler in ihrer leicht nach vorne eingerollten Schonhaltung gleitend das Spiel verschleppend, ohne selbst aktiv zu werden und sich dabei lediglich durch stocktechnische Fehler und kapitale Aussetzer ins Rampenlicht spielen.
Diese temporären Rückschritte passierten ja nicht zum ersten Mal. Folglich wird man sich die Frage stellen müssen, warum man in solchen Partien nahezu kollektiv davon auszugehen scheint, all das, was man gegen große Nationen gefühlt selbstverständlich betreibt (eislaufen, geistig aktiv sein, das Spiel antizipieren, usw), nicht mehr im Lehrgang thematisierten Umfang betreiben zu müssen. Für meinen Geschmack blieb auch das effektive Eingreifen von der Bank - ähnlich wie in Bratislava - aus. Mehr oder weniger sah man 2. Drittel stoisch - so machte es zumindest vom TV aus den Eindruck- zu, wie sich Starkbaum von allen verlassen gegen einen peinlichen Untergang des ÖEHV-Teams stemmte, währenddessen das Kollektiv der Feldspieler nahezu vollständig auseinanderbrach.
Natürlich kann man jetzt die Moral der Truppe im letzten Drittel loben, aber in 9 von 10 Partien dieser Art geht man mit einem solchen Auftreten über 60 Minuten vollständig unter. So viel Pech wie wir 2019 im Penaltyschießen hatten, so viel Glück war heute auf unserer Seite.