Herbert Jerich: „Natürlich kann man alles infrage stellen“
Interview. Nach dem Saisonende spricht Präsident Herbert Jerich über verpasste Ziele und die Zukunft der Graz 99ers.
Herbert Jerich trägt sein Herz auf der Zunge. Das hat der 99ers-Präsident schon öfter unter Beweis gestellt. Nach dem Viertelfinal-Aus fand er kritische, aber auch aufbauende Worte für Verein und Spieler.
Wie haben Sie nach diesem dramatischen siebenten Spiel geschlafen?
HERBERT JERICH: Sehr gut. Natürlich hat es sehr wehgetan, das Saisonziel zu verpassen. Nach dem Spiel war ich traurig und enttäuscht.
Nur wegen des Ergebnisses?
Auch, weil ich persönlich jeden Wunsch erfüllt habe. Und dann scheidest du knapp aus. Da kann man natürlich alles infrage stellen.
Tun Sie aber nicht?
Nein. Nach einer guten Nacht sieht die Welt schon wieder anders aus. Ich bin bereits wieder voll motiviert und die kommende Saison kann nicht früh genug beginnen.
Das heißt, Sie werden den 99ers treu bleiben? Manch anderer Gönner haut nach einem verpassten Ziel ja den Hut drauf.
Der Klub hat mich langfristig. Ich habe ja auch persönliche Investitionen in die Eishalle getätigt, da geht sehr viel Herzblut rein. Wir werden früh die Weichen für die Zukunft stellen.
Blicken wir aber noch einmal zurück in die Vergangenheit. Warum hat es mit dem Ziel, das Semifinale zu erreichen, nicht geklappt?
Das werden mir Harry (Lange, Anm.) und Philipp (Pinter, Anm.) erklären müssen. Ich finde, wir können uns im Viertelfinale keinen Vorwurf machen. Ich denke, uns allen hat die Erfahrung gefehlt. Aber Erfahrung kann man eben nicht kaufen.
Spieler hingegen schon. Kommt es erneut zum großen Umbruch?
Nein, wir haben ja viele Spieler, mit denen wir zufrieden sind und die auch länger an uns gebunden sind. Wir wollen Kontinuität. Aber es gibt auch Spieler, die nicht so geliefert haben.
ZitatEin ganz großes Fragezeichen gibt es für mich bei Jonas Gunnarsson. Warum hat sich unser Einser-Goalie nicht als Einser-Goalie etabliert?Herbert Jerich
Zum Beispiel?
Ein ganz großes Fragezeichen gibt es für mich bei Jonas Gunnarsson. Warum hat sich unser Einser-Goalie nicht als Einser-Goalie etabliert? Dafür hat mit Nicolas Wieser unser Backup bessere Leistungen erbracht und ein Ausrufezeichen gesetzt. Für ihn sehe ich eine große Zukunft.
Wann ist mit den ersten Transfermeldungen zu rechnen?
Ich kann bestätigen, dass wir uns schon mit neuen österreichischen Spielern einig sind. Da sind uns wieder Überraschungen gelungen. Wann wir die Namen verraten, kann ich noch nicht sagen.
Wie sieht die Situation auf dem Trainersektor aus? Geht man mit Harry Lange in die neue Saison?
Es kann in alle Richtungen gehen. Auch, wenn es knapp war: Wir haben unser Saisonziel verpasst. Es wird Gespräche mit Harry und auch Philipp Pinter geben, wo wir über die Vision für die kommende Saison reden werden.
Was wird Ihnen von dieser Saison positiv in Erinnerung bleiben?
Graz redet wieder über Eishockey. Ich bin stolz, was unsere Mannschaft aufgebaut hat. Da nehme ich mich explizit heraus. Man muss es ja auf dem Eis umsetzen. Aber: Man darf nicht alles überbewerten und man muss Realist bleiben. Nur so kommt man weiter. Wir werden aus den Fehlern lernen und an den richtigen Schrauben drehen.
Nach verpasstem Ziel mit den 99ers: Herbert Jerich: „Natürlich kann man alles infrage stellen“