morgen samstag den 4.okt.08 spielt kloten zum ersten mal nach dem umbau wieder zu hause.
3. Oktober 2008, Neue Zürcher Zeitung
In neuer Umgebung zum alten Erfolg?
Mancher Besucher dürfte sich anlässlich des ersten Heimspiels der Kloten Flyers am Samstag gegen den HC Davos fragen, was im Stadion Schluefweg überhaupt umgebaut wurde. Viel ist es nicht. Die grösste Änderung für den Zuschauer ist der Name. Aus finanziellen Gründen trägt das Stadion am Schluefweg für die nächsten sieben Jahre den Namen einer Krankenversicherung und heisst Kolping-Arena. So bleibt 50 Jahre nach der Eröffnung der ersten Kunsteisbahn in Kloten vieles beim Alten – der bei den Stehplatzbesuchern seit dem umfassenden Umbau 1997 unbeliebte «Lastwagen-Graben» ist noch da, ebenso ist das Stadion nach wie vor nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.
Neue Sitze, kleinerer Eisrink
Neu sind hingegen die untersten Sitzreihen, die näher als früher am Eisrink liegen, der um einen Meter (29 statt 30 m) verschmälert worden ist; zudem wurde die Kapazität leicht auf 7624 Zuschauer erhöht. Die gut sieben Millionen Franken, die der Umbau kostete, wurden grösstenteils in die Technik investiert. Nur ein Bruchteil davon floss in die Vergrösserung des Supporter-Restaurants und in neue Logen. Neu sind zudem die Eis-Aufbereitungs-Anlage sowie die Betonplatte, auf der die Eisfläche liegt. Die alte, originale Anlage von 1958 musste auf Geheiss der kantonalen Umweltbehörde ersetzt werden – wegen der Gefährdung von Mensch und Umwelt durch die eingelagerten sieben Tonnen Ammoniak.
Der 1934 unter der Führung von Emil Hegner gegründete EHC Kloten hatte 20 Jahre lang ohne ein Stadion auskommen müssen, der Klub trainierte und spielte zuerst auf dem gefrorenen Nägelimoosweiher am nördlichen Rand der Gemeinde. 1941 stieg Kloten in die dritthöchste Liga auf, gewann diese Meisterschaft 1946 und wurde 1947 in die neu gegründete Nationalliga B aufgenommen. Um 1950 keimte im Flughafendorf der Wunsch nach längerer Eiszeit, und so wurde zwei Jahre später im schattigen Hardwald eine Natureis-Anlage gebaut, die im Volksmund fortan «Waldstadion» hiess. Zur gleichen Zeit war im benachbarten Zürcher Hallenstadion die Zukunft bereits angebrochen: 1950 trugen dort der ZSC und Arosa die erste Schweizer Eishockeypartie in einer Halle aus.
In den folgenden 20 Jahren legten die Klotener den Grundstein zu einer mittlerweile tief verankerten Eishockeykultur, die, anders als in der ungleich grösseren Stadt Winterthur, weder durch Fussball noch Handball konkurrenziert wurde. Schon früh setzten die Verantwortlichen auf die Jugendförderung. Seit Einführung der Elite-Junioren-Liga 1959 eroberten die Klotener 18 Meistertitel in der obersten Juniorenkategorie und etliche mehr mit den weiteren Nachwuchsteams. 1962 stieg Kloten infolge der Aufstockung der Liga auf zehn Teams in die NLA auf. Dort hält sich der Verein seither ununterbrochen. Das starke Jugend-Fundament führte 1967, auch wegen des temporären Ausländerverbots, unter dem tschechischen Trainer Wladimir Kobera zum ersten Meistertitel. Erstmals spielten in der Schweiz regelmässig drei Linien, wobei die erste Sturmformation mit den Brüdern Ueli und Peter sowie deren Cousin Heinz Lüthi internationalen Ansprüchen genügte.
Wie ein Magnet
Mit der von der Liga ab 1977 für obligatorisch erklärten Überdachung des Stadions erfuhr die Nachwuchsbewegung einen weiteren Schub, da die Halle nun ab 6 Uhr fürs Training noch vor der ersten Schulstunde genutzt werden konnte. Der EHC und das Stadion Schluefweg wirkten wie ein Magnet, viele talentierte Junioren aus der Region stiessen zu den Klotenern: 1985 etwa der langjährige Captain und heutige Assistenztrainer Felix Hollenstein aus Bülach, 1986 Goalie Reto Pavoni (Bülach) oder 1997 Adrian Wichser (Winterthur). Sportlich klassierten sich die Klotener zu Beginn der achtziger Jahre im Mittelfeld der noch von Biel und Arosa dominierten Liga. Im Rink entzückte der 26-jährige Ron Wilson für eine Saison die Zuschauer – und schoss später den HC Davos zum Titel. 1981, ein Jahr bevor der Schluefweg um eine Tribüne, ein Restaurant und eine zweite Eisfläche erweitert wurde, ging der Stern von Peter Schlagenhauf an der Seite seines Bruders Andreas und des Kanadiers Bernie Johnston auf. Stetig aufwärts ging es unter Trainer Pavel Volek, der die Equipe zweimal 1987 und 1988 in den Play-off-Final führte, wo das «Eisballett» aber dem «Grande Lugano» unterlag. Erst dank der Siegermentalität und dem defensiven System des schwedischen Trainers Conny Evensson wurde der EHC Kloten ab 1993 unter Präsident Jürg Ochsner mit vier Meistertiteln in Serie zur «Dynastie». Nach finanziellen Turbulenzen (Swissair-Grounding) schaffte das 2000 Kloten Flyers benannte Team in jüngster Zeit wieder den Anschluss an die (erweiterte) nationale Spitze.