"VSV zerstört Aufbauarbeit und KAC bremst seine Spieler"
Das 346. Kärntner Eishockey-Derby steht bevor. Erstmals gastiert Puls4 in der neuen Heidi Horten-Arena und zeigt die Partie live (18 Uhr). Ex-Profi und TV-Experte Daniel Welser filetiert KAC und VSV vor ihrem Duell.
Daniel Welser galt als Eishockey-Profi als geradlinig. Sprach die Dinge immer offen aus. Und manchmal sorgt dies auch im TV für unterhaltsame Momente. Vor allem für Puls24-ICE-Chef Martin Pfanner. Im Vorjahr überreichte ihm Welser live auf Sendung einen Rasierer als Weihnachtsgeschenk. Heuer sorgte für den Heavy Metal-Fan ein Andreas Gabalier-Fanpaket für sichtliches Unbehagen. Doch zimperlich erweist sich Welser auch nicht bei seinen messerscharfen Analysen. Beim Derby am Sonntag darf man sich getrost darauf verlassen, dass er das Spielgeschehen in die Einzelteile zerlegt. Die Ausgangsposition ist für den Moosburger klar: "Für den KAC ist die Partie wichtiger, er darf keine Punkte mehr liegen lassen. Der VSV verfügt im Kampf um die fixen Play-off-Plätze über einen kleinen Polster."
Villach hat sich im Spitzenfeld der Liga positioniert, liegt aktuell an vierter Stelle. Doch für Unruhe sorgt der Klub selbst. So soll der Moderer-Abgang nicht ohne Nebengeräusche passiert sein. Und die Reaktivierung von Ex-Kapitän Jamie Fraser, der sich vor Monaten in die Pension verabschiedet hat, sorgt ligaweit für Verwunderung. Auch bei Goalie Alexander Schmidt fehlte in der sportlichen Führung das nötige Fingerspitzengefühl. Welser: "Mich überrascht, dass der VSV eigentlich überhaupt nicht auf den eigenen Nachwuchs setzt. Sie wollen sichtlich Erfolg erzwingen. Das ist legitim. Doch der Klub zerstört die Aufbauarbeit für die nächsten Jahre."
Das liege, laut dem Puls4-Experten vor allem an der Personalie und Headcoach Rob Daum. "Er hat nie anders gewerkelt, seit 12 Jahren. Schwache Legionäre wie Desjardins erhalten Chance um Chance. Die Österreicher müssen beim ersten Fehler sitzen bleiben." Auch die Torhüter-Problematik muss laut Welser der VSV-Trainer auf seine Kappe nehmen. "Da wird ein junges Talent verbrannt. Was denkt sich Daum, wenn er in zwei Jahren nur fünf Spiele bekommt. Kein Goalie wird dadurch besser."
"Erfolg gibt VSV recht"
Der Erfolg gebe allerdings den Villachern recht, das muss auch Welser zugestehen. "Die Frage lautet, wie lange dauert er an. Irgendwann gehen dem VSV die Österreicher aus. Dann kann man nur mit Imports nachjustieren. Für mich ist unverständlich, dass den Legionären, die nicht performen, so lange zugeschaut wird. Und Österreicher sofort in die vierte Linie müssen", fehlt dem 39-Jährigen jegliches Verständnis.
Doch Kritik hagelt es auch für den KAC und Trainer Petri Matikainen. Lange seien sich die Rotjacken selbst im Weg gestanden. "Die Spieler wirken gehemmt. Die gesamte Taktik ist rein nur auf die Defensive aufgebaut. Es fehlen Freiheit und Kreativität. In einigen Partien, etwa gegen direkte Konkurrenten um einen fixen Play-off-Platz, wirkten die Spieler auf mich nicht hungrig, wenn sie auf den Gegner losgelassen werden. Denn eigentlich sollten sie bis zum Umfallen marschieren. Doch der KAC zieht sich viel zu schnell zurück." Allerdings haben die Klagenfurter mit exakt dieser Spielweise zwei Meistertitel geholt. Für Welser nicht genug. "Der KAC steht für eine attraktive Spielweise. Und das will man auch als Fan sehen. Mich überrascht es. Denn im Nachwuchs sind die Rotjacken ganz anders unterwegs, spielen offensiv und gutes System. Oben nicht."
"Jedes Wort in der Waagschale"
Die Rolle als Experten scheint Welser, der sich kein Blatt vor den Mund nimmt, jedenfalls zu gefallen. "Wenn eine Mannschaft nicht gut spielt, warum sollte ich etwas positives sagen? Es geht mir nicht um Sympathiewerte. Und bei einem Derby ist es ohnehin völlig egal was man sagt - jedes Wort wird in die Waagschale gelegt", zeigt sich der Moosburger amüsiert. Die Fragen, die für ihn offen sind: "Kann der VSV seine Powerplay-Stärke nützen? Wird der KAC in der eigenen Halle Gas geben oder wieder reserviert auftreten?"
Einen deklarierten Favoriten sieht Welser jedenfalls nicht: "Eigentlich keiner. Der KAC hat in Klagenfurt eine Siegesserie gegen den VSV. Die Villacher waren in den Derbys zuletzt das bessere Team, die Rotjacken hatten oft Glück. Aber solche Spiele musst du eben erst gewinnen."
Quelle: Kleine Zeitung/Martin Quendler