Der Eishockey-Konflikt in der Landeshauptstadt endet mit einem Totalschaden
So endet nun also der rund ein Jahr dauernde Machtkampf im Linzer Profi-Eishockey: Staatsanwälte ermitteln, Großsponsoren ziehen die Reißleine, Anwälte schreiben Honorarnoten. Die beiden Konfliktparteien – auf der einen Seite Peter Freunschlag und seine Steinbach Black Wings 1992, auf der anderen Seite der in einer Retorte gezüchtete und von wichtigen Ex-Black-Wings-Sponsoren gedüngte EHV Linz – sind einander in den vergangenen Monaten nichts schuldig geblieben.
Am Wochenende haben die "stadtnahen" Geldgeber Linz AG und Liwest den Stecker gezogen, mit KE KELIT hat sich ein weiterer langjähriger Eishockey-Ermöglicher beleidigt und frustriert aus dem Staub gemacht. Selbst wenn sich irgendwann einmal der Rauch verzieht und so einen klaren Blick auf die tatsächlichen Sachverhalte freigibt, wird man keinen Sieger sehen, sondern nur das Trümmerfeld eines selbstzerstörerischen Interessenkonflikts, bei dem der Eishockey-Sport selbst offensichtlich nicht ganz oben auf der Prioritätenliste gestanden ist.
Tribünengast statt Mediator
Profi-Eishockey hat lange in Linz keine Rolle gespielt. Als man endlich auch hier die Faszination dieses Sports entdeckte, gab es einen dynamischen Aufschwung, der selbst von einem Konkurs nicht zu stoppen war. Die Black Wings waren jahrelang eine sportliche Referenz der Stadt Linz, ein Aushängeschild, das nicht nur mit sportlichen Erfolgen zu glänzen wusste, sondern auch durch seine einzigartige Fan-Szene.
Dass die Stadtpolitik jetzt mit dem Sponsoring-Rückzieher eine Art Kindesweglegung betreibt, ist verantwortungslos. Das passt zum Bild, das die lokalen politischen Player beim Aufkommen des Konflikts zwischen Wings-Machthaber Freunschlag und den aus plausiblen Gründen abtrünnigen Vorstandsmitgliedern Karl Egger, Peter Matausch und Peter Zauner abgegeben haben. Anstelle die Rolle der neutralen Mediatoren einzunehmen, blieb man passiv auf der Tribüne sitzen und schaute zu, wie sich die Führungskräfte stadtnaher Sponsoren entschieden auf die Seite jener schlugen, die die Black Wings in einer Art feindlicher Übernahme Freunschlag entreißen wollten. Dies ist, wie man jetzt weiß, trotz bester und mutmaßlich nicht billiger juristischer und PR-mäßiger Beratung nicht gelungen.
Der hohe Aufwand, den allmächtigen Präsidenten aufgrund seiner Machenschaften in wirtschaftsrechtlichen Graubereichen aus dem Weg zu räumen, kam zuletzt als Bumerang zurück. Jetzt muss sich nicht nur Freunschlag mit einem gerichtlichen Nachspiel beschäftigen, sondern auch sein ehemaliger Manager Christian Perthaler. Der vor allem auch auf medialer Bühne inszenierte Konflikt der beiden war vor einem Jahr der vergleichsweise banale Auslöser des jetzt entstandenen Totalschadens gewesen.
Was Freunschlag und Perthaler nun eint: Für beide gilt die Unschuldsvermutung.
Aus "Dankbarkeit"
Der FC Blau-Weiß Linz ist vom Rückzug von KE KELIT aus dem Sport-Sponsoring nicht betroffen, obwohl das Unternehmen auf der Homepage des Fußball-Zweitligisten als Team-Partner gelistet wird. Geschäftsführer Stefan Reiter: „KE KELIT war eines von vielen Unternehmen, die uns in der schwierigen Phase Ende 2019 sehr geholfen haben – mit dem Zugang, dass der Nachwuchs nicht leiden muss. Dafür sind wir ewig dankbar.“ Aufgrund dieser Dankbarkeit scheint KE KELIT noch unter den Partnern auf. Aktuell gibt es keine Sponsorvereinbarung.