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Lukas Herzog (29) war einer der wenigen österreichischen Torhüter in der Liga, musste seine Karriere früh beenden. Mit etwas Abstand will er aufzeigen, woran es im System krankt.
Im österreichischen Eishockey herrscht seit Jahren ein Mangel an heimischen Torhütern. Aktuell wurde mit Alexander Schmidt (VSV, Anm.) ein eigentlicher Team-Keeper in die Zweite Liga geschickt. Was löst das bei Ihnen aus?
Lukas Herzog: Wut. Vor allem, wie das von seinem Klub VSV verkauft wird. Die nötige Spielpraxis sollte es für ihn in Villach geben, nicht in der Alps Hockey League bei Kitzbühel.
Die Idee an sich ist aber grundsätzlich nicht verkehrt, oder?
Schmidt ist ein Nationalteam-Keeper. Er sollte eigentlich seine Spiele in der höchsten Spielklasse bekommen. Auch für seine Entwicklung. In Österreich gibt es ohnehin immer weniger heimische Keeper. Da muss man irgendwann beginnen, einen aufzubauen. Nur dann kann ein Spieler reifen und besser werden. Zwei Spiele in der Alps Hockey League, nur damit einer nicht versauert, werden nichts bringen. Das Problem beschränkt sich ja nicht auf Villach: Auch bei anderen Liga-Klubs vertraut man Österreichern nicht. Nachhaltigkeit ist ja so ein moderner Ausdruck. Ich erkenne nichts davon.
Sie deuten an, dass hauptsächlich Imports zum Zug kommen. Warum ist das so?
Es herrscht mangelndes Vertrauen. In Österreich hat es sich eingebürgert, dass ausländische Goalies eine Saison praktisch durchspielen. Wie in Villach (JP Lamoureux, Anm.) oder beim KAC (Sebastian Dahm, Anm.). Blickt man auf ihre Statistiken, sind diese alles andere als gut. Und sie spielen trotzdem.
Können Sie sich das erklären?
Dieses Phänomen beschränkt sich nicht nur auf Torhüter, sondern auch auf die Spieler. Die Entscheidungen treffen natürlich die Trainer. Andererseits sind auch die Klub-Bosse gefragt, solche Entwicklungen zu unterbinden. Sie hätten ja auch etwas davon: Die Fans würde es freuen, wenn mehr eigene Spieler auf dem Eis stünden.
Andererseits steht jeder Trainer unter Druck und wird am Erfolg gemessen ...
Klar, aber da sind eben die Klubs gefragt, Rückendeckung zu leisten, wenn es durch Einsatz der Jungen kurzfristig nicht läuft.
In Graz verfügt Torhüter Christian Engstrand über hervorragende Werte, absolviert aber ein ähnliches Pensum wie Dahm oder Lamoureux ...
Vielleicht ist er besser. Backup Nicolas Wieser, der im Vorjahr noch Alps gespielt hat, spielte bereits mehr Partien als die Zweier-Goalies von KAC und VSV zusammen. Villach aber hätte mit Schmidt ja eine echte Alternative.
Ein Trainer wird immer den Besseren spielen lassen. Etwas anderes wäre doch unlogisch, oder?
Schön wär’s. Ich habe persönlich exakt das Gegenteil erfahren müssen. In Salzburg sagte mir ein Trainer zum Play-off-Start: ,Ihr Zwei seid zwar auf Augenhöhe. Aber er ist der Ausländer und deswegen muss ich ihn spielen lassen.‘ Leider spielt der Reisepass im Eishockey eine zu große Rolle, der Import ist mehr wert.
Eine Überlegung lautet, dass Import-Goalies zwei Legionärsplätze von maximal zehn belegen. Das würde heimische Keeper forcieren. Blanke Theorie oder eine Lösung?
Die Österreicher müssen spielen. Es braucht eine gewisse Zeit, aber man kann nicht nur kurzfristig denken. Was wird in zwei, drei Jahren sein? Holt man wieder teure Ausländer? Die Klub-Verantwortlichen sind gefragt. Sie behaupten, dass sie Spieler ausbilden. Stattdessen lügen sie sich selbst an. Und ich kenne solche Spielchen: Schmidt wird unter diesen Umständen nicht beim VSV bleiben. Dann jammern sie, behaupten, dass jemand mit dem Geld gewedelt hat.
Sie haben Ihre Karriere gesundheitsbedingt im Jänner beendet. Warum die späte Kritik?
Ich habe jetzt einen klareren Blick, bin nicht mehr von diesem System abhängig. Mittlerweile arbeite ich für den Hinti-Cup und bei der Helikopter-Firma von Thomas Morgenstern und Martin Hinteregger.
Und Eishockey?
Nur hobbymäßig für HC Köttern II, gemeinsam mit Hinteregger – aber als Stürmer. Jetzt will ich die Tore selbst schießen, nicht welche bekommen (lacht).