Der Pressespiegel und die in Social Media verbreitete Stimmung über die spielentscheidenden Szenen bzgl. der Schiedsrichterleistungen in den Finals Spiel 4 und 5 ist im Vergleich zu den Halbfinals leider schlecht. Das wird zumindest in Wien, wo halt viele Ligasponsoren auch ihren Sitz haben, einen etwaigen Meistertitel des KAC medial leider ungut begleiten. Das ist das Schlechteste, was der Liga in dieser Phase der Meisterschaft passieren kann, denn jetzt wird Werbung für Sponsorinvestments für die nächste Saison gemacht.
Ich denke, weder Seitz/Kimmerly noch die Refs am Eis haben annähernd eine Ahnung, wie sehr ihre Leistung und damit das Image eines seriösen Ligabetriebes auch einen Konnex zu Investments von Unternehmen in die Liga oder einzelne Vereine hat. Und ich weise darauf hin, es zählt ausschließlich das angekommene Image, nicht die eigentliche Bemühung darum, dies positiv zu senden.
Um ein wenig aus der Praxis zu sprechen. Bei größeren Konzernen wird bei der Verteilung des Marketing- und daraus abgeleiteten Sponsorbudgets entweder intern oder durch externe Schaltungs-Unternehmen die Mediencoverage sorgfältig analysiert. Sowohl Social Media, als auch klassische Medien werden laufend inhaltlich einer genauen Potentialanalyse unterzogen, wie ein Sportarten-, Liga- oder Vereinsimage sich zielgruppengerecht auf Marken- oder Unternehmensnamen positiv übertragen kann. Kein Unternehmen steht z.B. gerne als Ligasponsor in der Auslage, wenn einer Liga, warum auch immer, ein Skandalimage anhaftet. Bei den immer wichtiger werdenden Social Media Analysis werden z.B wichtige Kanäle, wie FB, Twitter, Insta und Online-Foren von z.B Krone, ORF, Standard, etc... zielgruppenorientiert, mengenmäßig und inhaltlich durchforstet. Auch hier geben geringe Postingmengen oder Skandalstimmungen oft den Ausschlag für Daumen rauf oder runter. Wenn Finals z.B beim Standard (größtes österreichweites Medienonlineforum in der Zielgruppe 25-45 und einem gehobenem Social-Index) nur 300 Forumseinträge haben und diese sind bzgl. Imagetransfer der Liga noch dazu vorwiegend destruktiv und negativ, dann wird dies registriert. Detto bei der FB-Site der Liga selbst. Wenn ein Verein während der Saison pleite geht und vor Saisonende aus dem Betrieb aussteigt, dann sorgt dies für Stirnrunzeln bei Marketingverantwortlichen von Liga- oder Vereinsponsoren, ob ihre Investments in eine „Pleiteliga“ sinnhaft sind.
Diesen Finals haften, ganz im Unterschied zu den medial als Eishockeyfest sehr positiv wahrgenommenen Semis, leider ordentliche Mißtöne an und diese haben ihren Kristallationspunkt noch dazu in Wien, jener Stadt, wo ein größerer Teil der überregionalen Sportsponsorbudgets beschlossen und verwaltet werden. Die klassischen Medien kann man mit vernünftiger Hintergrundarbeit von Liga-PR-Verantwortlichen noch halbwegs in den Griff bekommen, bei den moderierten Social Media funktioniert dies nur mehr schlecht, bei den unmoderierten funktioniert dies gar nicht.
Dies ist nur ein kleiner Exkurs in die verrückte Welt des Marketings und Sponsorings. Diese Liga braucht fürs langfristige Überleben ein mehr an Sponsorinvestments und weniger Mäzenentum. Mit Aktionen, wie jenen in den Finals, wo offensichtlich an Regelauslegungen während der Finalserie dilettantisch herumexperimentiert wird und die Refs damit verunsichert, erweist man sich selbst einen echten Bärendienst. Ein altes Sprichwort sagt, der Fisch stinkt immer vom Kopf.
PS: Noch ein kleiner Nachtrag: Da ich mich berufsbedingt öfters in VIP-Zonen und Sponsorlogen bei diversen Sportarten aufhalten darf, kann ich euch berichten, dass eine verlorene Partie für die Heimmannschaft bei den Eingeladenen meist nur dann für schlechte Stimmung und Grant sorgt, wenn sich das Gefühl verbreitet, man wurde „von bösen Mächten“ um den Sieg betrogen. Und zwar unabhängig davon, ob es auch wirklich passiert ist. Dieses Gefühl hat allerdings leider schon oft den Ausschlag gegeben, ob einer wiederkommt oder nicht. Verrückt oder menschlich? Oder beides?