Ich habe es zwar schon einige Male versucht, eine Erklärung zu liefern, die über eine "Legionäre sind böse" Argumentation hinausgeht, aber dann versuche ich es eben noch einmal.
Dass es im Nachwuchs große Defizite im internationalen Vergleich gibt, und dass dieser Bereich es ist, der einen Anschluss an Länder wie die Schweiz unrealistisch macht, unabhängig von der Legionärsbeschränkung, darüber brauchen wir eh nicht streiten.
Meiner Meinung nach beginnt das Problem (nicht nur, aber vor allem) ab dem Bereich der U16, vor allem dann im Bereich der U18 und U20, wo die Leistungsgefälle innerhalb der nationalen Liga und auch innerhalb der einzelnen Teams derart massiv sind, dass gute Talente kaum gefordert werden. In den Kadern der diversen Jugendmannschaften hat man meist nur wenige Spieler, die ernsthaft das Ziel Profisport anstreben und auch dementsprechend im internationalen Vergleich sehr wenige Eiszeiten und Trockentrainingszeiten. (Frag mal die Eltern eines 17-jährigen Gymnasiasten, was sie von 10 Trainingseinheiten/Woche halten würden) Auch diese Probleme kann eine Legionärsbeschränkung nicht lösen, wobei ein guter Teil der Leistungsträger des Nationalteams von diesem Problem dadurch befreit wurden, dass sie durch den Legionärsschnitt zu Zeiten der Uniqa-Liga bereits mit 16,17, spätestens 18 in die Kampfmannschaft kamen und unter entsprechens herausforderenderen Bedingungen trainiert und gespielt haben (zB Latusa, Koch, Welser, Reichel, Harand fallen in diese Generation, auch Leute wie Hager, Schuller, Peintner, Pewal haben damals von der gestiegenen Verantwortung profitiert)
Im Erwachsenenbereich sehe ich das Problem, dass es im Profieishockey nur sehr wenige Spieler schaffen, auf Anhieb als Scorer Fuß zu fassen, diese Entwicklung des erforderlichen Hockey-Sense braucht meistens eine Zeit und auch Trial and Error in Sondersituationen, vor allem im Powerplay. Das ist auch der Grund, warum in der NHL Prospects mit Scoringpotential nicht in eine Checking-Line gesteckt werden, obwohl sie das durchaus könnten, aber dort werden sie sich in offensiver Hinsicht nicht so entwickeln wie wenn sie in der AHL die Eiszeit und Verantwortung bekommen. Der Call-Up kommt dann eben erst, wenn sie offensiv auch so weit entwickelt sind, dass sie bereit für die Top6 oder zumidest Top9 sind, das ist bei dem ein oder anderen schon mit 19 der Fall, manche müssen auch 22,23 Jahre alt werden, bis sie so weit sind. Gerade in Schweden (sehr interessanter Beitrag: http://hfboards.hockeysfuture.com/showthread.php?t=1088741 ) kann man bei Spielern wie dem hierzulande bekannten Pär Arlbrandt auch beobachten, dass ein guter Teil der Scorer den Umweg über die Allsvenskan nahmen, dort zu Scorern reiften und dann auch in der Elitserien diese Rolle einnehmen konnten, während gleichermaßen talentierte Spieler in den hinteren Linien der Elitserien stecken blieben.
Nun haben wir aber keine Liga, die dafür geeignet ist, die NL ist einfach zu schwach und keine Profiliga, sodass es unseren 19, 20, 21-jährigen Spielern einfach an der Möglichkeit fehlt, diese Entwicklungsphase durchzumachen, da Powerplayeiszeit in unserer Liga für Spieler dieser Altersgruppe, wenn sie nicht absolut außergewöhnlich talentiert sind, nicht zu erlangen ist. Und genau da hilft eine etwas schwächere Liga mit weniger Legionären. Dass dies zweifelsohne zu einer aufgrund des sehr kleinen Markts an Österreichern größeren Unausgeglichenheit und einem schwächeren Niveau führt, streite ich nicht ab, aber damit würde es für die sehr guten Leute auch wieder schon aus sportlicher Sicht wesentlich attraktiver, ins Ausland zu wechseln.