Nachwort zur Schweizer U20-Nationalmannschaft und der WM 2016 in Helsinki
Ziel nicht erreicht
Mit dem Gang in die Relegationsrunde verpasste die Schweizer U20-Nationalmannschaft den angestrebten Viertelfinal. Es gilt also zu analysieren, was bei den Schweizern an diesem Turnier schief lief.
Ein Grund für das Scheitern ist bestimmt beim Turnierformat zu finden. Die Schweizer hatten in diesem Jahr das Pech, dass sie mit den Mitfavoriten Schweden, Kanada und den USA drei sehr starke Gegner erwischten. Im Rückblick war die Chance die Scharte aus dem Dänemark-Spiel auszumerzen extrem klein. Insofern bezahlten die Schweizer gleich doppelte für das knappe Ausscheiden im letzten Jahr bestraft. Auch der Spielplan entwickelte sich für die Schweizer zum Nachteil. So hatte das Schweden-Spiel einen zu grossen Einfluss auf das wichtige Spiel gegen die Dänen. Die Eisgenossen spielten nach dem übermotivierten Spiel gegen die Schweden im Dänenspiel viel zu verhalten. Die Dänen ihrerseits gingen unbelastet in dieses für sie wichtigste Spiel dieses Turniers.
Kein aktives Coaching
Den Fehler nur beim Turnierformat zu suchen wäre jedoch falsch. Es gibt an jedem Turnier gewisse Faktoren, die man nicht beeinflussen kann, damit muss man umgehen können. Wo also haben die Schweizer selber Fehler gemacht? Ein Fehler ist bestimmt beim Coaching zu suchen. Wie schon an der letzten WM liess John Fust aktives Coaching vermissen. Seinen grössten Fehler beging er dabei im Spiel gegen die Schweden. Hier hätte er bereits früh ein Timeout nehmen und seine Spieler daran mahnen müssen, dass man nicht derart übermotiviert agieren soll. Stattdessen haderte der Kanada-Schweizer jedoch mit den Unparteiischen.
Ebenfalls nicht verstehen konnten wir, wieso Fust derart oft die Linien wechselte. Es war schwierig für die Spieler sich an ein Konzept zu halten, da sie immer wieder mit anderen Linienpartnern spielten. Auch sind Fusts Entscheidungen auf der Torhüterposition nicht nachzuvollziehen. Seine Aussage aus dem USA-Spiel, er habe van Pottelberghe im Tor gelassen damit dieser kämpfen müsse, scheint sehr hilflos.
Ungenügende Torhüter
Das grösste Problem der Schweizer war jedoch ganz klar die Torhüterposition. Es zeigt sich, dass die Schweizer in den letzten Jahren immer dann überzeugten, wenn sie mit einem überdurchschnittlichen Torhüter antraten. Davon waren die Eisgenossen in diesem Jahr meilenweit entfernt. Dass Gauthier Descloux und Ludovic Waeber nur Durchschnitt sind, wussten wir bereits vor diesem Turnier. Von Joren van Pottelberghe hätten wir jedoch erwartet, dass er dieses Team tragen kann, so wie er dies an der U18-WM in Zug getan hat. Stattdessen sahen wir vom Zuger jedoch unkonstante Leistungen. So zeigte er gegen die Kanadier eine Glanzleistung, kassierte jedoch in allen anderen Spielen den einen oder anderen haltbaren Treffer. Was wir nicht verstehen, ist die Tatsache, wieso John Fust ihn im Spiel gegen die Schweden nicht von Anfang an brachte. Durch die Einwechslung beim Stand von 2:6 hatte er einen schwierigen Start in dieses Turnier. Dies wirkte sich wohl auch auf das Spiel gegen Dänemark aus.
In der Relegationsrunde ohne Probleme
Neben allen Enttäuschungen muss man festhalten, dass die Schweizer zumindest in der Relegationsrunde souverän agiert haben. Es war von Anfang an kaum Nervosität zu spüren. Selbst als man im ersten Spiel mit 0:1 in Rückstand geriet, behielten die Schweizer die Nerven. Die Schweizer konnten damit auf eindrückliche Weise zeigen, dass sie klar besser waren als der Gegner aus Weissrussland, der zuvor mit knappen Niederlagen gegen die Slowakei und Tschechien aufhorchen liess. Auch die knappe Viertelfinalniederlage der Dänen in der Verlängerung gegen Russland zeigt auf, dass dieser Gegner nicht so schlecht war, wie das einige glaubt hatten.
Malgin als Topscorer
Schauen wir auf die einzelnen Spieler, so fällt uns auf, dass es für einen Verteidiger immer schwierig ist zu glänzen, wenn er genau weiss, dass sein Torhüter unsicher ist. Am meisten überzeugen konnte uns derweil Jonas Siegenthaler. Der Zürcher gewann viele Zweikämpfe. Um sich für die NHL zu empfehlen, muss er jedoch noch zulegen. In der Offensive glänzte Denis Malgin als Topscorer. Er schoss zwar nur ein Tor, bereitete jedoch acht weitere vor. Er zeigte sich extrem scheibensicher und streute immer wieder Gefahr in der gegnerischen Zone. Davon profitierte beispielsweise Noah Rod, der sich an diesem Turnier als Vollstrecker zeigte. Etwas mehr erwartet hätten wir uns von Pius Suter. Nach seinen Glanzleistungen bei den Lions hatte man von ihm auch in Helsinki Tore erwartet. Diese kamen jedoch erst im letzten Spiel. Einmal mehr schwer tat sich Timo Meier. Der Herisauer war bemüht sein Team als Captain zu führen. Gerade gegen die Kanadier zeigte er auch, dass er in diesem physischen Spiel bestehen kann. Ein gutes Zusammenspiel mit seinen Linienpartnern gelang jedoch nur selten. Dabei ist ihm zu gute zu halten, dass er in einem der wichtigsten Momente einer der besten Spieler war. So scorte er im ersten Relegationsspiel gegen die Weissrussen drei Punkte.
Zu guter letzt wollen wir noch Nico Hischier erwähnen. Der 16-Jährige war einer der Jüngsten an diesem Turnier. Als Spieler der vierten Linie sollte er an diesem Turnier Erfahrung sammeln. Gerade in die Spielen gegen die Weissrussen, als er etwas mehr Eiszeit bekam, liess er dabei einige Male sein Talent aufblitzen. Es wird interessant sein, wie sich der junge Walliser in Zukunft entwickeln wird.