Emery zu Atlant Mytischtschi Mittwoch, 9. Juli 2008, 11:42 Uhr - Martin Merk
Martin Gerbers früherer Konkurrent Ray Emery wechselt nach Russland zu Atlant Mytischtschi - wie auch viele andere Torhüter aus dem Westen.
Die russische Liga KHL lässt bekanntlich den Rubel rollen. Und mangels erfolgreicher Torhüter sind Goalies besonders gefragt. Der neuste Zuzug ist jener vom Kanadier Ray Emery. Dessen Wechsel von den Ottawa Senators zu Atlant Mytischtschi sei nur noch eine Formsache, bestätigt sein Agent zur "Ottawa Sun". Er soll für ein Jahr und einem Grundsalär von zwei Millionen Dollar unterschreiben. Emery bekam vor einem Jahr einen dicken Vertrag in Ottawa, verlor letzte Saison aber den Posten des Stammtorhüters an den Schweizer Martin Gerber und wurde wegen zusätzlicher Negativ-Schlagzeilen neben dem Eis herausgekauft. Einen neuen Club fand er in der NHL nicht. Die Strafe für seine unvorbildliche Arbeitseinstellung: ein Jahr im wenig glamourösen Moskauer Vorort Mytischtschi.
Emery ist nur einer von vielen ausländischen Torhütern in der russischen Liga - obwohl diese gemäss Reglement zwei der fünf Ausländerlizenz beanspruchen. Weitere dürften bald folgen, etwa der frühere Biel-Goalie Marek Pinc, eigentlich in Tschechien bei Vitkovice Ostrava unter Vertrag, dürfte zum Aufsteiger Awtomobilist Jekaterinburg wechseln, der auch mit Sébastien Charpentier von den Krefeld Pinguinen verhandelt. Ak Bars Kasan holte Wade Dubielewicz von den New York Islanders als Ersatz für den Finnen Mika Noronen (zu Torpedo Nizhny Novgorod), Avangard Omsk John Grahame von den Caronlina Hurricanes und Barys Astana Marc Lamothe vom Ligakonkurrenten SKA St. Petersburg, wo Robert Esche das Tor hütet. Andere Clubs verlängerten mit ausländischen Goalies, etwa Amur Chabarowsk mit Tyler Moss. Metallurg Magnitogorsk und Travis Scott pokern ebenfalls um einen neuen Vertrag. Er wurde letzte Saison für angeblich eine Million Euro aus dem Kontrakt mit den Kölner Haien herausgekauft. Selbst der Armeeclub ZSKA Moskau setzt auf einen Ausländer, den Finnen Jussi Markkanen von Jokerit Helsinki, nachdem der Kanadier Tom Lawson zu Sibir Nowosibirsk ging.
Auch zwei deutsche Goalies wurden in die KHL geholt: Spartak Moskau holte Dimitrij Kotschnew von Iserlohn (und den Stürmer Eduard Lewandowski von Mannheim), der Moskauer Vorortsclub Vityaz Dimitri Pätzold vom AHL-Team Worcester. Beide Goalies sind, mit vielen anderen Deutschstämmigen, in Kasachstan aufgewachsen und im Jugendalter nach Deutschland gewechselt. Nun sollen sie russische Pässe erhalten.