Die ZSC Lions suchen für das mögliche sechste Halbfinal-Duell gegen den EV Zug ein Eisstadion – nicht zum ersten Mal in der bewegten Clubgeschichte des ZSC.
Wie der «Tages-Anzeiger» heute schreibt, lehnte es Playoff-Gegner Zug ab, die mögliche sechste Begegnung vom 29. März zu verschieben. Die Partie findet also an jenem Donnerstag statt, aber nicht im Hallenstadion. Der Event-Tempel von Oerlikon ist wegen der GV der Zürich-Versicherung bereits besetzt. Felix Frei, der Geschäftsführer des Hallenstadions, erklärte gegenüber dem TA (Artikel online nicht vorhanden): «Wir haben sechs Varianten aufgezeigt, bei denen der ZSC nicht hätte ausweichen müssen. Ich finde, die Liga hätte ein Machtwort sprechen sollen.» Dem widerspricht der ehemalige Top-Ref und heutige Spielplangestalter Willi Vögtlin: «Der Spieldatenplan wurde von der Ligaversammlung abgesegnet. Den können wir nicht selbstherrlich abändern.» Bei der ganzen Problematik muss man noch wissen, dass das Hallenstadion die Möglichkeit hat, von den 21 Playoff-Daten 2 auszukaufen. Und in der GV-Zeit sind sogenannte «Corporate Events», wie Frei sie nennt, für die Betreiber finanziell lukrativ.
Aus Sicht des EVZ wiederum ist die ablehnende Haltung gegenüber der Verschiebung verständlich. «Uns wurde vorgeschlagen, den Viertelfinal früher zu beginnen oder Spiel 5 und 6 abzutauschen. Dem konnten wir unmöglich zustimmen», meinte Zugs Manager Patrick Lengwiler. Man wolle den Verletzten Zeit zur Genesung geben. «Und wenn wir drei der ersten fünf Partien in Zürich spielen lassen und die Serie dann fertig ist, haben wir ein Heimspiel verloren.» Sein Gegenüber, Lions-Geschäftsführer Peter Zahner, habe aus gleichem Grund ein Abtausch der Duelle 6 und 7 abgelehnt.
In Kloten – oder wieder am Obersee?
Nun sucht Zahner, dem rund 500'000 Schweizer Franken an Einnahmen inklusive logistischem Aufwand entgehen, eine interimistische Bleibe für das (allfällige) Heimspiel vom 29. März. Vom regionalen Gesichtspunkt aus bieten sich die Kolping-Arena in Kloten (Kapazität: 7500 Besucher) sowie die schmucke Diners-Club-Arena in Rapperswil-Jona (6100) als Lösungen an. Nur eines der Probleme von CEO Zahner ist, dass in beiden Stadien nicht alle der rund 5800 Lions-Saisonkartenbesitzer einen Sitzplatz hätten. Die Zuger Fans würden in Sachen Tickets wohl so ziemlich in die Röhre gucken.
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass der ZSC schon mehrmals von Terminkollisionen im Hallenstadion betroffen wurde. 1992, nach dem sensationellen Viertelfinal-Coup gegen den HC Lugano, mussten Arno Del Curtos Underdogs eine Halbfinal-Partie gegen den mächtigen SC Bern in Kloten austragen – und verloren 1:3. Schöne Erinnerungen haben die Löwen an den Obersee: Am 28. Januar 2009 fertigten sie unweit des Kinderzoos im Final-Rückspiel der Champions Hockey League den russischen Vertreter Metallurg Magnitogorsk gleich mit 5:0 ab und holten den Pott – 6200 begeisterte Zuschauer verwandelten die Arena in ein Tollhaus. 2008, als die Zürcher zum letzten Male Schweizer Meister wurden, war der Final gegen Servette vorgezogen worden. Der Genfer Regent Chris McSorley hatte damals eingelenkt, weil er für sich und seine Adler punkto Ruhezeit einen Vorteil gesehen hatte. Und während des Umbaus des Hallenstadions traten die Lions in der Lockout-Saison 2004/05 zu Hause im «Stadiönli», sprich der modifizierten Kebo Oerlikon, an.
Der ZSC muss raus aus der Halle
Zahner hält sich punkto Ersatzvariante für das Hallenstadion noch bedeckt. Aber sollte der ZSC erstmals seit vier Jahren wieder den Playoff-Final erreichen, so droht ein weiterer Terminknatsch. Wenn nämlich die Halbfinalserien nur über fünf Spiele gehen und der Final vorgezogen würde, so käme es bei den Duellen Nummer 2 und 6 zu weiteren Terminproblemen in der Mehrzweckhalle von Zürich-Nord.
Nicht nur Ligafunktionär Vögtlin hofft, dass es nicht zu einer weiteren unangenehmen Daten-Konstellation kommen wird. Die Problematik zeigt vor allem eines: Je früher die ZSC Lions dem Hallenstadion den Rücken kehren und ihre geplante Heimstätte in Altstetten beziehen können, desto besser – für alle Beteiligten im Schweizer Eishockey.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)