Wolf: ''Im Grossen und Ganzen zufrieden''
Es gibt im Schweizer Eishockey sicher dankbarere Aufgaben, als den Torhüter-Posten bei den Rapperswil-Jona Lakers innezuhaben. Tim Wolf stellte sich der Herausforderung und wechselte auf diese Spielzeit hin von der Lions-Organisation ans andere Zürichsee-Ende.
Die Rapperswil-Jona Lakers setzen in dieser Saison nicht mehr auf einen gesetzten Stammkeeper wie zuletzt David Aebischer, sondern auf ein junges Goalie-Duo. Tim Wolf und Ivars Punnenovs erhalten bei den Rosenstädtern die Möglichkeit, sich neben zahlreichen anderen jungen Spielern weiterzuentwickeln und für höhere Aufgaben zu empfehlen. Weil der Lette aufgrund einer Leistenverletzung nun aber erneut für längere Zeit ausfällt, trägt Wolf die ganze Last wieder auf seinen Schultern. sport.ch sprach mit dem 23-jährigen Zürcher über die Torhüter-Situation, seine bisherigen Saisonleistungen und den Transfer an den Obersee.
Punnenovs im Verletzungspech – Wolfs Chance
„Wir haben uns immer abgewechselt. Zwei Spiele er, dann zwei Spiele ich“, erklärt Wolf das Goalie-Konzept der Lakers. Dieser Rhythmus wird nun allerdings aufgrund der erneuten Verletzung von Punnenovs bereits zum zweiten Mal in dieser Saison gebrochen. Im Heimspiel gegen den SC Bern am letzten Dienstag zog sich der 20-jährige Lette eine Blessur im Leistenbereich zu.
„Es ist natürlich sehr schade für ihn, aber für mich selbst freue ich mich auch“, sagt Wolf, der bereits zwischen Mitte Oktober und Ende November letzten Jahres unerwartet zur temporären Nummer 1 befördert wurde. Damals fiel Punnenovs aufgrund einer Trainingsverletzung am Fuss für einige Wochen aus, Kevin Huber stiess als Backup temporär von Gottéron zu den Lakers.
Heuer wurde ebenfalls bereits über eine zwischenzeitliche Verpflichtung eines weiteren Goalies gemunkelt, transfertechnisch hat sich aber offiziell noch nichts getan. Mit dem 20-jährigen Dario Caduff weiss Coach Anders Eldebrink einen dritten jungen Keeper im Kader, der bis Samstag aber erst in den U-Mannschaften der Lakers zum Zuge kam und deshalb derzeit vorwiegend der Vervollständigung des Matchblattes dient
„Im Grossen und Ganzen zufrieden“
Weil Wolf zuletzt allerdings zwei rabenschwarze Abende einzog, kam der junge Bündner beim Heimspiel am Samstag dennoch bereits zu einem ersten Teileinsatz. Bei seiner Rückkehr ins Hallenstadion am Freitag musste Wolf die beiden Treffer vom 1:1 zum 1:3 jeweils auf seine Kappe nehmen. Einen Tag später folgte zuhause gegen Biel nach 40 Minuten, fünf Gegentoren und einer Fangquote von nur rund 78% gar die Auswechslung.
Mit Blick auf seine gesamte bisherige Spielzeit meint Wolf dennoch: „Ich sage nicht gerne, dass ich zufrieden bin und natürlich habe ich das Gefühl, dass es immer noch besser geht. Aber rückblickend denke ich, dass ich bisher eine gute Saison gezeigt habe. Im Grossen und Ganzen bin ich zufrieden.“
So äusserst sich der junge Keeper denn auch positiv über seinen Transfer an den Obersee: „Mir gefällt es wirklich gut hier. Wir haben eine super Mannschaft, eine gute Truppe, lustige Leute und auch das Umfeld passt. Ich bin zudem überrascht, wie cool das Stadion und die Atmosphäre ist, wenn wir ein gutes Spiel zeigen.“
Der Transfer als logische Konsequenz
Für den Linksfänger war es die richtige Entscheidung, ans andere Ende des Zürichsees zu wechseln. Im Dress der ZSC Lions kam er über vier Saisons verteilt nur zu insgesamt 15 Einsätzen, hatte stets andere Goalies wie Lukas Flüeler, Melvin Nyffeler oder Lukas Meili vor der Nase. Auch bei den GCK Lions war Wolf nie wirklich gesetzt, die Konkurrenz war mit Niklas Schlegel, Dennis Saikkonen sowie den bereits genannten Torhütern auch beim Farmteam stets gross.
„Man kann natürlich über Rappis Tabellensituation diskutieren, aber ich bin jung und für mich ist es wichtig zu spielen. In Zürich hätte ich nie so viele Spiele machen können. Um mich weiterzuentwickeln, war das bestimmt die richtige Lösung“, urteilt Wolf über seinen Wechsel. Tatsächlich steht er mit den Lakers in dieser Saison schon bald 30 Stunden auf dem Eis, womit er der siebt-meist eingesetzte Schlussmann der NLA ist.
Saisonziele klar verfehlt, aber...
Die gesetzten Saisonziele werden die Lakers aller Voraussicht nach beide verfehlen. Auf den vorgegebenen zehnten Platz fehlen sieben Spiele vor Quali-Ende ganze 18 Punkte, auf die von Coach Eldebrink gesteckte Maximal-Marke von 150 Gegentoren sind es nur noch vier Treffer.
Trotz allem meint Wolf: „Wir haben in den letzten Spielen gezeigt, dass wir auf einem guten Niveau spielen können. Die Spiele waren knapp, wir können Punkte holen.“ Ob der 23-Jährige in den kommenden Spielen seinen Beitrag zum Erfolg wieder leisten kann, wird sich zeigen. Zuerst reist er mit der Nationalmannschaft aber an den Slovakei-Cup nach Banska Bystrica. Dort geht es für ihn in erster Linie darum, nach zwei schwachen Leistungen wieder Selbstvertrauen zu tanken. (cmu)