um 22:15 wird auf oe1 (radio) das radiokolleg vom vormittag wiederholt - sehr empfehlenswerter beitrag über das "vergleichen":
Erst durch die Unterscheidung, der ein Vergleich vorausgehen muss, können Wahrnehmungen differenziert und Erkenntnis gewonnen werden. Aber bei jedem Vergleich ist die Gefahr der Abwertung eines Objekts gegeben. Und wenn die Relation nicht schlüssig scheint, spricht man davon, dass der Vergleich hinke.
Damit wird zur Beschreibung wiederum ein Vergleich herangezogen und zwar eine Metapher. Diese unterstellt, dass Vergleiche per se asymmetrisch seien wie die Beine eines Hinkenden.
Tatsächlich lässt sich ein Vergleich der Ungleichheit nicht neutral ausdrücken: Wenn wir beispielsweise sagen, dass Peter größer sei als Paul, dann haben wir Pauls Größe als Standard herangezogen, um Peters Größe zu beschreiben. Diese Erkenntnis ist unter anderem von Interesse, wenn Frauen an Männern gemessen werden.
Der Vergleich spielt also als Messinstrument für Äquivalenz im Tauschhandel, in der Evaluation, im Wettbewerb, in der Persönlichkeitsentwicklung, der Gerechtigkeit und vielen anderen sozialen Kontexten eine fundamentale Rolle und hat mit der Einführung statistischer Werte an Reichweite zugenommen.
Er kann als Leistungsanreiz instrumentalisiert oder zur Verschleierung von Machtverhältnissen tabuisiert sein. Was kann und muss der Vergleich tatsächlich leisten, wo stößt er an seine Grenzen und inwiefern beeinflusst er unser Leben?