Ein Kleinod aus dem schier unerschöpflichen Fundus an Hypogeschichten - Lesevergnügen pur: "Statt Hypothek und Rückzahlung des Geldes für eine Insel vor Dubrovnik setzte es die Wertberichtigung von neun Millionen Euro
Die Hypo hat einem Kunden den Kauf einer Insel vor Dubrovnik finanziert. Doch statt Hypothek und Rückzahlung des Geldes setzte es die Wertberichtigung von neun Millionen Euro. Nicht die Verkäuferin der Insel (Serbien) war im Grundbuch eingetragen, sondern Kroatien." - Wie die Kärntner Hypo Inseln in den Sand setzte"
Bankinterne "Kronzeugenregel" - sensationell: Zur Kronzeugenregel greift man immer dann, wenn man mit seinem Latein absolut am Ende ist. 8000 ehemaligen und gegenwärtigen Mitarbeitern wird per Email fürs "Singen" folgendes Angebot gemacht: "Wer Hinweise zur Aufklärung von rechtswidrigen oder bankschädigenden Aktivitäten liefert, darf auf Milde hoffen. Geständige Mitarbeiter werden nicht gekündigt, entlassen oder auf Schadenersatz geklagt." - Hypo Kärnten: Wer auspackt, wird verschont
"Langer Sinkflug: Folgt man einem Privatgutachten vom 21. März 2006 war die Schieflage der Airline schon länger dramatisch. Der Grazer Wirtschaftstreuhänder Fritz Kleiner prüfte im Auftrag der Grazer Stadtwerke AG (Betreiber des Flughafens Graz-Thalerhof), die in die trudelnde Airline einsteigen wollte. Damals befand sich die Regional-Fluglinie "in finanziellen Schwierigkeiten. Das ergibt sich schon aus dem Wirtschaftsprüfungsbericht zum Jahresabschluss 2004", dessen uneingeschränkter Bestätigungsvermerk "mit einem bedingten Zusatz versehen war", wie der Gutachter festhielt. Die Frage, um die es konkret ging: "Ob Styrian Spirit mit einer Kapitalzufuhr von 6,5 Mio. Euro in den nächsten drei Jahren so weit saniert werden könnte, dass keine weiteren Kapitalzuschüsse erforderlich werden".
Schon die Zahlen des Geschäftsjahres 2004 (also lang vor jener Kreditvergabe, für sie sich Kulterer und andere Ex-Banker nun verantworten müssen) waren blutig: Das Eigenkapital grundelte laut Gutachten bei 1,4 Mio. Euro oder 5,92 Prozent des Gesamtkapitals. Verschuldungsgrad: fast 90 Prozent. Vorläufiger Verlust 2005 laut (vorläufiger) Saldenliste: 12,4 Mio. Euro. Und: "Am 28. Jänner 2005 teilte der Wirtschaftsprüfer mit, Styrian Airways sei in Folge von Zahlungsunfähigkeit von Konkurs oder Ausgleich bedroht. Diese Gefahr konnte laut Schreiben des Vorstands vom 15. Februar 2005 gebannt werden." Trotzdem lief das Jahr 2005 schlecht: Laut Kleiner konnte "keine einzige Linienstrecke (Styrian flog in Österreich, Deutschland und der Schweiz; Anm.) einen positiven Ergebnisbeitrag" liefern. Statt im Februar 2005 budgetierter plus 936.000 Euro landete das Ergebnis vor Steuern eben bei minus zwölf Millionen Euro.
Grounding nahe
Im März 2006 war das Grounding laut Gutachten wieder nahe, "es lässt sich feststellen, dass die Styrian (auch jetzt wieder) von Zahlungsunfähgikeit bedroht ist". Die Verbindlichkeiten gemäß (vorläufiger) Saldenliste 2005 lagen bei mehr als 44 Mio. Euro.
Hätte die Airline überleben und zahlungsfähig bleiben sollen, hätte sie bis 2008 jede Menge frisches Geld gebraucht - und zwar 33,7 Mio. Euro. Wobei der Gutachter dabei von den erforderlichen 15 Prozent Eigenkapital ausging, was nicht nur den damals eben geplanten Kapitaleinschuss um 6,5 Mio. Euro vorausgesetzt hätte, sondern weitere 5,3 Millionen.
Die Grazer Stadtwerke gingen dann übrigens nicht an Bord.Styrian Spirit fehlte stets Sprit