Oha, der Neoliberalismus also. Na dann kann's ja nur böse sein...
Bei Gelegenheit werde ich dieses Buch lesen und Dir dann berichten, ob sich die Erkenntnisse des Autors mit meinen Wahrnehmungen decken, die da vor allem auf dem Gebiet des Wirtschaftens lauten: Seit Maggie Thatcher werden juristische und ethische Regeln des Wirtschaftens systematisch abgebaut mit dem Ziel "Mehr Freiheit" für die im Regelfall ausschließlich profitorientierten Akteure: "Anything goes" ist die moderne englische Übersetzung des altfranzösischen "laissez faire, lassez passer!" aus dem 18. Jahrhundert.
Vor dem Hintergrund dieses Wandels ethischer und auch juristischer Normen sind auch die Marketingaktionen von Red Bull zu sehen. Zwecks Promotion des neuen (Jugend)Telefontarifs "RED BULL MOBILE" veranlasst RED BULL seinen RED-BULL-Vertragsbasejumper Ueli Gegenschatz für Geld sein Leben aufs Spiel zu setzen bei einem Basejump vom relativ niedrigen Tower der Vertrags-Telefongesellschaft "Sunrise". Und die moderne (neo)liberale Frage dazu lautet: Wo soll da RED BULL ein ethisches oder gar rechtliches Problem haben, wenn der Basejumper dabei ums Leben kommt?
Die noch aus der Zeit lange, lange vor Maggie Thatcher stammende Wegehalterhaftung (§ 1319a ABGB) hat mich während meines rund zwanzigjährigen Hausverwalterdaseins hier in Riggiu - als Lohn haben mir die Miteigentümer zwei große Bier/Jahr gezahlt - im Winter dazu veranlasst, jedenfalls dienstags noch nach Mitternacht dafür zu sorgen, dass die rund 20 Meter des völlig ebenen mit Waschbetonplatten belegten Wegs von der Hoftüre zum Müllhäuschen schnee- und eisfrei oder wenigstens gut gestreut sind, damit keiner der erwachsenen, mündigen, mit dem Hochrisiko des Gehens auf schnee- und eisbedeckten ebenen Wegen bestens vertrauten und darin auch geübten Müllmänner um halb sechs Uhr in der Früh ausrutscht und sich am Körper verletzt. Damit wollte ich nicht nur Schaden von den Müllmännern fern halten, sondern auch vermeiden, dass ich als Hausverwalter wegen grob fahrlässiger oder gar vorsätzlicher Verletzung der "Streupflicht" von einem Zivilgericht zum Schadenersatz verdonnert und wegen fahrlässiger Körperverletzung vom Strafrichter bestraft werde.
Bei Maggie Thatcher, angesichts des auch ethisch völlig unbedenklichen, gelegentlich sogar tödlichen Eventmarketings von RED BULLmuss es sich bei dieser "Wegehalterhaftung" doch um völlig überzogene, altkommunistische Rechtsnormen handeln! Den Müllmännern und sonstigen Ausrutschgefährdeten sei ins Stammbuch geschrieben: "No risk, no fun! You have only one Life. Live it! Slip out and feel You! Und wenn Euch dieses minimale Risiko auch noch zu groß ist, bleibt stehen (und lasst die Tonnen stehen). Oder sucht Euch eine weniger gefährliche Hackn, Ihr Luschn!"