Von mir eine wahre Weihnachtsgeschichte 2019, so wahr ich Karl-Heinrich Cleruzio heiße!
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Bei unserer Instituts-Weihnachtsfeier am Mittwoch hat der Institutsvorstand an unser aller Großzügigkeit gegenüber Bedürftigen appelliert am Beispiel einer Aufführung der "Herbergsuche von Josef und Maria vor Jesu Geburt" im Elisabethinum, einer sozialen Einrichtung für junge Menschen mit und ohne Behinderungen in Axams Tirol.
Und zwar soll dort der erste Wirt, den Josef und Maria um Herberge gebeten hatten, die Aufführung dadurch geschmissen haben, dass er auf ihre Bitte geantwortet hat: „Ja, dann kemmt´s halt eina!“
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Mir, der ich während meiner Volksschulzeit beim "Anklöpfeln" den hartherzigen Wirt spielen und singen musste, ist leider nie so eine barmherzige Textänderung eingefallen. Im Gegenteil, ich habe Josef und Maria immer derart brutal die Türe gewiesen, dass ich anscheinend heute noch dafür büßen muss.
Zuletzt am vorletzten Mittwoch in Wien. Der Oberste Gerichtshof hatte gerade der Nichtigkeitsbeschwerde der Staatsanwaltschaft Innsbruck keine Folge gegeben, ja, das Urteil des Landesgerichts Innsbruck aufgehoben und dadurch meinem Mandanten eine zweite Chance auf eine noch mildere Geldstrafe eingeräumt.
Hocherfreut über diese Entscheidung schlendere ich hinüber zum Kunsthistorischen Museum, um mir die Caravaggio-Bernini-Ausstellung anzuschauen, da steuert eine alte kleine Rom auf mich zu und bittet mich um Geld. Münzgeld hatte ich nicht dabei, also gebe ich ihr einen Zehner.
Sie meint, das wäre zu wenig, schließlich habe sie acht Kinder (später habe ich nachgerechnet, das jüngste müsste meiner Schätzung nach dann schon wenigstens 25 Jahre alt gewesen sein). Also rücke ich einen zweiten Zehner heraus. Sie meint, ob ich sie nicht richtig verstanden hätte, sie habe (!) acht Kinder! Also gebe ich ihr einen dritten Zehner, mache aber Anstalten zu gehen, weil das jetzt wirklich genug sei.
Da flüstert sie mir zu, dass ich einen gefährlichen Feind hätte, einen ganz gefährlichen. Und zückt aus ihrer Tasche ein Heiligenbild, das vor diesem Feind schützen würde. Es koste allerdings 20 Euro.
Ich bin dann ohne das Bild gegangen. Hatte aber nicht wirklich den Eindruck, dass wir zwei im Frieden auseinander gegangen sind.
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Tja, hätte ich wenigstens einmal während meiner Anklöpfelzeit statt »Nein, nein, nein, es kann nicht sein. Da geht nur fort, ihr kommt nicht rein.« gesungen: „Ja, dann kemmt´s halt eina!“
Frohe Festtage und ein gutes Neues Jahr 2020!