Durch die zweiwöchige Pause für die Olympischen Spiele in Turin haben die Playoffs in der National Hockey League verspätet begonnen. Bisher konnte nur die erste Runde abgeschlossen werden.
Daher werden in Riga auch nicht die Top-Stars, die im letzten Jahr in Wien und Innsbruck dabei waren, ihr Können zeigen. Sport1 gibt einen Überblick über die Medaillenanwärter, Stars und die Abstiegskandidaten.
FINNLAND
Die Silbermedaillen-Gewinner bei den Olympischen Spielen in Turin reisen von allen europäischen Teams mit dem meisten NHL-Spielern (acht) an. Darunter sind die Brüder Toumo (Chicago) und Jarkko Ruutu (Vancouver) sowie Jussi Jokinen und Antti Miettinen (beide Dallas) zu finden. Des weiteren stehen auch noch mit Ville Peltonen und Petteri Nummelin (beide HC Lugano) zwei Routiniers Trainer Erkka Westerlund zur Verfügung. Bei Olympia hatten die Finnen im Finale gegen Schweden Pech. Als beste Mannschaft des Turniers nur Zweiter - und das noch dazu hinter den Tre Kronor - zu werden, wollen die "Suomi" nicht auf sich sitzen lassen. Zeit zur Revanche ist in Riga gegeben - eine Medaille auf jeden Fall drinnen!
SCHWEDEN
Das schlagkräftige Gold-Team von den Winterspielen steht Trainer Bengt-Ake Gustafsson nicht mehr zur Verfügung. Superstar Peter Forsberg (Philadelphia) will sich nach dem Ausscheiden in den NHL-Playoffs einer notwendigen Operation unterziehen. Außerdem machen noch Torhüter Henrik Lundqvist (NY Rangers), Nicklas Lidström oder Henrik Zetterberg (beide Detroit) bereits Urlaub und werden nicht den Abstecher nach Lettland wagen. Im vorübergehenden Kader der Schweden finden sich bis auf Christian Berglund (Rapperswil-Jona) ausnahmslos Akteure aus der heimischen Eliteserie. Im Kader steht auch Jörgen Jönsson (Färjestad) vor seiner elften WM. In Riga wird er sein 270. Länderspiel bestreiten, kein Aktiver weist vergleichbare Werte auf. Eine Medaille ist dem Drei-Kronen-Team dennoch zuzutrauen!
RUSSLAND
Die Augen bei den Russen werden auf ihren Youngster Alexander Ovechkin gerichtet sein. Der erst 20-Jährige hat in seiner ersten NHL-Saison bei den Washington Capitals voll eingeschlagen. Ovechkin, der es in 81 Spielen auf 52 Tore und 54 Vorlagen brachte, erreicht damit sofort den elitären Klub mit mehr als 50 Toren und 100 Scorerpunkten in einer Saison. Evgeni Malkin (erst 19 Jahre alt) wird ebenso zu beachten sein, für Magnitogorsk holte er 21 Tore und 26 Assists. Kleines Problem beim Olympia-Vierten dürfte die Torhüterposition sein. Evgeni Nabokov und Ilya Bryzgalov sind im NHL-Playoff-Einsatz. Nummer drei Maxim Sokolov fällt nach einer Meniskusoperation aus. Damit geht die "Sbornaja" unter Vladimir Krikunov mit den Nachwuchs-Keepern Alexander Fomichev und Sergei Zvyagin ins Rennen.
SLOWAKEI
Die Slowakei, bei Olympia etwas überraschend im Viertelfinale von Nachbar Tschechien aus dem Bewerb geworfen, geht mit großen Ambitionen in die Weltmeisterschaft. Miroslav Satan (NY Islanders), Michal Handzus (Philadelphia), Marian Hossa (Atlanta) und Richard Zednik (Montreal) werden das Team von Frantisek Hossa anführen. Fehlen werden allerdings zwei wichtige Defensiv-Stützen: Zdeno Chara und Andrei Meszaros sind mit den Ottawa Senators noch in den NHL-Playoffs aktiv. Eine Medaille ist für die Slowaken möglich, dafür müssen jedoch die Fehler in den wichtigen Partien abgestellt werden.
KANADA
Für Rekordweltmeister Kanada (23 Titel) und "Vize" des Vorjahres gilt es in Riga die Schmach von den Olympischen Spielen (0:2-Niederlage im Viertelfinale gegen Russland) vergessen zu machen. Die großen NHL-Stars werden sich nicht auf den Weg in den Baltenstaat machen. Aber einer im Team von Marc Habscheid sorgt schon im Vorfeld für Aufsehen. Youngster Sidney Crosby, der in Turin nicht dabei sein durfte, kommt mit 102 Scorerpunkten in seiner ersten NHL-Saison mit den Pittsburgh Penguins zur WM. Der 18-Jährige wird in diesem kanadischen Team im Mittelpunkt stehen. Nach der Februar-Pleite wird eine Medaille, wenn nicht sogar der Titel, von der kanadischen Öffentlichkeit gefordert.
TSCHECHIEN
Der Titelverteidiger und Olympiadritte wird es in Riga schwer haben. Den Tschechen fehlt auf jeden Fall Superstar Jaromir Jagr, der sich nach seiner in den NHL-Playoffs zugezogenen Schulterverletzung definitiv einer Operation unterziehen muss. Die Torhüterfrage ist auch nicht eindeutig geklärt. Dominik Hasek und Tomas Vokoun fallen ebenfalls verletzungsbedingt aus. Da wird wohl wie auch schon bei Olympia Milan Hnilicka zu Einsätzen kommen. Auch ohne Jagr wird das Viertelfinale kein Problem darstellen, die weiteren Schritte zur erfolgreichen Titelverteidigung werden allerdings nicht so leicht von der Hand gehen.
MITTELFELD
Die USA, Lettland, die Schweiz und Weißrussland werden am wenigsten mit Medaillen und Abstieg zu tun haben. Die US-Boys schicken wie schon üblich nur eine Ersatztruppe zu den Titelkämpfen. Marty Reasoner (Boston), mit Salzburg-Vergangenheit, und Richard Park (Vancouver) sind noch die bekannteren Namen im Team von Mike Eaves. Lettland wird durch die stimmgewaltigen und "besten Fans" weltweit einen Auftrieb erhalten und sich in der A-Gruppe halten.
Für die Eidgenossen ist wieder das Viertelfinale das Ziel. Trainer Mike Krueger kann auf drei NHL-Spieler (Mark Streit, David Aebischer und Timo Helbling) zurück greifen. Den Weißrussen fehlt mit Ruslan Salei (Anaheim) ein wichtiger Verteidiger, der noch in den NHL-Playoffs tätig ist. Eine Leistung wie im Vorjahr (Platz zehn) ist wieder möglich.
ABSTIEG
Auch im Kampf um die beiden Abstiegsplätze werden sich in der Relegationsrunde die üblichen Verdächtigen wieder finden. Aus Gruppe A werden Gastgeber Lettland und Slowenien, das im Vorjahr das Abrutschen in die Zweitklassigkeit verhindern konnte, sich um den dritten Tabellenplatz "schlagen". Die Ukraine und Aufsteiger Italien haben in Gruppe B die gleichen Chancen, ein Sieg im direkten Duell und der Abstieg ist abgewendet.
In Gruppe C werden wohl die kampfstarken Kasachen ihre Schwierigkeiten haben. Weißrussland ist auf jeden Fall stärker einzuschätzen. Dänemark, das in der Vorbereitung dem österreichischen Team 0:4 unterlegen war, hat gegenüber Aufsteiger Norwegen in Gruppe D leichte Vorteile.
Quelle: sport1.at