Als bisher stiller Mitleser möchte ich nun auch einmal meine Sichtweise darlegen.
Zunächst einmal: Großen Respekt an Pit Gleim für das, was er in den letzten Jahren für den Eishockeystandort Feldkirch geleistet hat. Ein derartiges persönliches Engagement ist alles andere als selbstverständlich und hat maßgeblich dazu beigetragen, dass Profieishockey in der Region möglich war.
Allerdings – und das ist für mich der entscheidende Punkt – wurde der Rückzug Gleims erst am 31.03. kommuniziert. Bereits Ende Februar wurde hier im Forum auf den ungewöhnlichen Abverkauf der Fanartikel mit 50 % Rabatt hingewiesen. Rückblickend erscheint es zumindest naheliegend, dass zu diesem Zeitpunkt intern bereits absehbar war, dass es unter der bestehenden Ägide keine weitere Saison geben wird. Ob in den darauffolgenden Wochen Gespräche mit potenziellen Übernahmeinteressenten geführt wurden, entzieht sich meiner Kenntnis – das wäre reine Spekulation.
Zu den nun laut werdenden Stimmen, wonach „interessierte Gruppen jetzt übernehmen könnten“: Mit meinem juristischen Grundwissen sehe ich diese Einschätzung sowohl aus rechtlicher als auch aus sportlicher Perspektive kritisch. Der Spielbetrieb wird – soweit ersichtlich – von der Pioneers Vorarlberg Betriebs GmbH organisiert, die mutmaßlich auch die ICEHL-Lizenz hält. Realistisch betrachtet gäbe es zwei Wege: Entweder eine Übernahme der bestehenden GmbH oder der Versuch, mit der Liga eine Teilnahme über eine neue Gesellschaft zu verhandeln.
Bei einer Übernahme der GmbH im Wege eines Share Deals würde der Erwerber sämtliche bestehenden und potenziellen Verpflichtungen der Gesellschaft übernehmen. In der Praxis erfolgt so etwas erst nach einer umfassenden Due-Diligence-Prüfung, u. a. der finanziellen, steuerlichen und vertraglichen Verhältnisse. Zwar können im Kaufvertrag Garantien und Freistellungen der Altgesellschafter vereinbart werden, deren wirtschaftlicher Wert hängt jedoch maßgeblich von deren Leistungsfähigkeit ab. Eine Übernahme ohne entsprechende Prüfung wäre daher mit erheblichen Risiken verbunden. Selbst nach gründlicher Prüfung bestehen nicht unerhebliche potenzielle Risiken. Gleichzeitig besteht massiver Zeitdruck: Spielerverträge – insbesondere mit einheimischen Leistungsträgern – müssten rasch verlängert, ein konkurrenzfähiger Kader zusammengestellt und ein tragfähiges Budget gesichert werden. Diese Kombination stellt selbst für professionell organisierte Investoren eine enorme Herausforderung dar. Hinzu kommt, dass ein solcher Share Deal realistisch betrachtet in einem extrem engen Zeitfenster zwischen Anfang März und Mitte bzw. Ende April abgewickelt werden müsste – inklusive Prüfung, Vertragsverhandlungen, Finanzierung und Umsetzung. Ein „Komm, lass uns schnell Eishockey machen“ funktioniert in diesem Umfeld schlicht nicht – es handelt sich um professionell organisierte Betriebe mit wirtschaftlichen und rechtlichen Strukturen.
Die Alternative, mit der Liga eine Teilnahme ab der Saison 2026/2027 über eine neu gegründete Gesellschaft zu verhandeln, erscheint mir ebenfalls wenig realistisch, da Lizenzierungsfristen und infrastrukturelle Anforderungen nur begrenzten Spielraum lassen.
Mein nüchternes Fazit: Wäre das langfristige Wohl des Standorts oberste Priorität gewesen, hätte eine frühere Kommunikation des Rückzugs zusätzliche Handlungsspielräume eröffnet. Angesichts der äußerst knappen Zeit halte ich es für unrealistisch, dass eine motivierte Übernahmegruppe die Themen Gesellschaftsübernahme, Kaderplanung und Budgetierung rechtzeitig und nachhaltig unter einen Hut bringen kann.
Diese Einschätzung soll ausdrücklich keine Unterstellung darstellen, sondern ist lediglich meine persönliche Einordnung anhand der bekannten Rahmenbedingungen. Unabhängig davon bleibt die Hoffnung, dass sich mittel- bis langfristig eine stabile und regional verankerte Lösung für den Eishockeystandort Feldkirch bzw. Vorarlberg findet.