Krone:
Das Play-off-Aus kostet den KAC ein Vermögen
Katerstimmung herrscht nach Play-off-Schmach bei den Rotjacken. Präsident Johannes Schwaiger fordert lückenlose Aufklärung der Ereignisse. Pilloni hat wenig Handlungsspielraum. Der Klub wird weiterhin auf Verjüngung mit eigenen Spielern setzen. Und: „Krone“-Kolumnist Thomas Koch analysiert das Aus.
Petri Matikainen ist wieder in aller Munde! Gerade jetzt erinnern sich viele an den Finnen, der den KAC in seinen fünf Jahren als Trainer zu zwei Meistertiteln geführt hat. Auch weil er in der Kabine Play-off-Feuer entfachte, seine Mannschaft da zur Höchstform aufgelaufen ist.
Alles analysieren“
Das fehlte heuer komplett, führte zum blamablen Viertelfinal-Aus gegen Fehervar und nun zu einer fast apokalyptischen Stimmung. Auf den KAC mit Präsident Johannes Schwaiger wartet umfangreiche Aufarbeitung. „Wir alle sind enttäuscht. Sobald die Emotionen weg sind, werden wir alles nüchtern analysieren“, erklärt er.
Große Einbußen
Abseits der sportlichen Desillusionierung sind wohl die wirtschaftlichen Nachwehen nicht zu ignorieren. So entgeht dem KAC pro ausbleibender Play-off-Heimpartie ein Umsatz im sechsstelligen Bereich.
Keine Idealbesetzung
Teils Sparkurs, teils aufrechte Verträge dürften Rotjacken-Boss Oliver Pilloni also in seinem Handlungsspielraum beschneiden. Und das wiederum schränkt das Trainer-Duo Furey/Fischer in seiner Strategie – schnelles, attraktives Eishockey zu bieten – ein. Weil sechs Stürmer über 35 dafür nicht die Idealbesetzung bilden.
Hoffen auf Mursak
Von diesen „Oldies“ spielte jedoch der 38-jährige Jan Mursak überragend. Hält er an seinem Karriereende fest, müssten mit ihm bis zu sechs Imports ersetzt werden (auslaufende Verträge bei Moyle, Teves, Murray, Kempe, Fraser).
Konkurrenz auf Transfermarkt
Aus den letzten Jahren weiß man, dass Pilloni wenig wagt, kaum Risiken eingeht. Zudem hat sich der Spielermarkt für den KAC verengt: Graz tritt mit ganz dicker Brieftasche auf, in Salzburg, Linz, Wien erfolgen Umwälzungen. Aber: Eine Form von Umbruch zieht „Pille“ vor den Augen aller durch. Mit Simovic, Dobrovolny, Böhs, Leitner und speziell Waschnig erfolgt heuer eine selbstbestimmte Verjüngung.
Verletzungs-Dilemma
Ursachenforschung wartet auf anderer Front: Seit Jahren plagt den KAC eine Verletzungs-Seuche. Das führt zu Folgeschäden. Stützen pfeifen aus dem letzten Loch, können in der heißesten Phase nicht zulegen. Sondern zeigen eben solche blutleere Auftritte, die in ein vorzeitiges Saisonende gemündet sind.
Richtig bitter! Fehervar hat es geschafft, den KAC mit einem exzellenten Defensiv-System vom Tor fern zu halten und die Rotjacken somit ihrer größten Stärke beraubt: Wenn es Klagenfurt wie üblich versucht hat, im Mitteldrittel Speed und Druck aufzubauen, waren die Ungarn da.
So viel „Dump’nChase“ – also den Puck ins gegnerische Drittel reinschießen und nachfahren – habe ich beim KAC noch nie gesehen. Eine reine Verzweiflungstaktik. Ein Plan B hat also gefehlt – den hätte man gebraucht! Wobei: Ob der bei diesen vielen Eigenfehlern dann auch was genützt hätte. . .?
Alles schwarzmalen sollte man aber nicht: Der KAC hat den Grunddurchgang nur um einen Punkt nicht geholt, war da auswärts mit 50 Punkten die Macht, hat Talenten – wie dem starken Dobrovolny oder Waschnig – die Chance gegeben.
Es war dann halt nur bis zur 18. Minute in Spiel eins gegen Fehervar echtes Play-off-Hockey. Das Erlebte haben in der Folge einige – was verständlich ist – nicht verkraftet. Der Kollaps von Jordan Murray war in den Köpfen. Sein Trikot hängt auf seinem Platz in der Kabine (wie bei verletzten Spielern üblich), du siehst es jeden Tag, denkst an deine Familie, hast ständig die Bilder im Kopf.
Profisport hat eine riesige mentale Komponente – und aufgrund es Vorfalls haben ein paar Prozente für Energie und Fokus gefehlt. Jene Prozente, die ein Leader reinbringen hätte können – der verletzte Kapitän Thomas Hundertpfund ist da als Leitfigur abgegangen.