Kaderbewertung: HC Bozen Foxes Teil 1
Trainer:
Mit dem US-Amerikaner Tom Pokel startet man nun in die gemeinsam dritte EBEL-Saison. Er versteht es wie kein anderer Trainer in dieser Liga, rund um die einheimischen Stammkräfte, jedes Jahr ein komplett neues Team aufzubauen und zu formen.
Förderlich dabei ist sicherlich die Tatsache, dass er bei den Neueinkäufen ein gewichtiges Mitspracherecht hat. Zudem ermöglicht ein nicht allzu komplexes Spielsystem dessen rasche Implementierung.
Ihm zur Seite wird auch heuer kein Assistent stehen, ein Budgetposten welcher laut Geschäftsführung lieber in Spielermaterial investiert wird. So wie man Pokel von außen einschätzen kann, eine Situation die ihm kein sonderliches Kopfzerbrechen bereitet.
Er kennt die Liga inzwischen wie seine Westentasche, sodass er seine weitere Stärke, die Mannschaft an den spezifischen Gegner anzupassen, vor allem wenn dieser höhere Spielqualitäten besitzt, voll ausspielen kann.
Zu den Schwächen gehören bei ihm die Reaktionsfähigkeit bei ungünstigem Spielverlauf und die Organisation eines effizienten Powerplays. Letzteres, das muss man ihm zugutehalten, ist auch teilweise dem knappen Budget geschuldet.
Nichtsdestotrotz ist Tom Pokel absoluter Publikumsliebling und einfach der perfekte Coach für dieses Team.
Punkte 8 / 10
Torhüter:
Nach drei Jahren Jaroslav Hübl kommt es ab dieser Saison zu einer Neuausrichtung im Bozner Kasten. Der neue Einser-Goalie der Foxes heißt Marcel Melichercik (29 Jahre) und wagt sich nun das erste Mal aus seinem gewohnten Umfeld Slowakei bzw. Tschechien heraus.
Für das entsprechende Wohlfühlklima werden sein in Südtirol lebender Bekanntenkreis, das Bozner Publikum und natürlich die einheimischen HCB-Spieler sorgen.
Von seiner Spielweise wird er sich sehr stark von seinem Vorgänger unterscheiden, liegen die Stärken des Goalies mit modernem Butterfly-Style vor allem in seiner Nervenstärke und Ruhe in jeglichen Spielsituationen, einer guten Fanghandseite und einer passablen Puck Kontrolle.
Wenn man aber ehrlich ist, war der Slowake sicherlich nicht erste Wahl in Bozen. Durch das obere Limit der neun Visa-Arbeitsgenehmigungen für nicht EU-Bürger hat der italienische Verband FISG eine kanadische Lösung unterbunden.
Ihm als Back-up zur Seite stehen wird mit Jacob Smith ein 21-jähriger Kanadier mit italienischen Wurzeln. Jacob spielte die letzten vier Jahre in der Ontario Hockey League, wobei er einmal die Meisterschaft als Stammtorhüter gewann. Die ersten Eindrücke von ihm lassen auf einen reaktionsschnellen, sehr dynamisch wirkenden Goalie schließen der durchaus das Potential besitzt in dieser Liga das ein oder andere Spiel zu bestreiten und somit dem Stammtorhüter die eventuell notwendige Verschnaufpause zu geben. Eine Situation die für Bozner EBEL-Verhältnisse ein absolutes Novum darstellt.
Punkte 7 / 10
Verteidigung:
In der Verteidigung gab es nur zwei Bestätigungen dieses Jahr. Alexander Egger geht als Kapitän der Füchse in die nun 17. Saison. Er zählt, obwohl inzwischen etwas in die Jahre gekommen, noch immer zu den besten Defendern italienischer Schule. Der capitano braucht zwar jedes Jahr etwas länger bis er in Fahrt kommt, glänzt dann aber immer mit konstanten Leistungen. Hannes Oberdörfer (Jahrgang 1989) dreht nun schon seit vier Jahren im Fuchsbau seine Kreise, seine Leistungen hängen sehr stark von seinem Verteidigungspartner ab. Neu dazu gekommen sind bis jetzt offiziell drei Verteidiger. Mit dem 23jährigen Max Everson hat sich Bozen einen Spieler geangelt, dessen Leistungskurve steil nach oben zeigt. Er gilt als Allrounder und wird vor allem in den 5 gegen 5 Situationen für einige Überraschungsmomente in der Offensive sorgen. Der in Mailand geborene und in Nordamerika ausgebildete Alex Gellert (Jahrgang 1989) ist seit vier Jahren in Italien eishockeytechnisch aktiv und inzwischen zum Nationalspieler herangereift. Für ihn gilt es so schnell wie möglich die Anpassung an den höheren Spielrhythmus im Vergleich zur ehemaligen Seria A zu schaffen. Damit hat er momentan noch seine Schwierigkeiten. Seine größte Stärke ist auf jeden Fall seine Onetimer-Qualität. Mit dem Kanadier Clark Seymour kommt ein weiterer interessanter junger Spieler (23 Jahre) in die Talferstadt. Er durfte schon die letzten zwei Jahre AHL-Luft schnuppern und hat mit einer guten ECHL-Saison auf sich aufmerksam gemacht. Seine Körpermaße lassen darauf schließen, dass die Füchse vor dem eigenen Kasten dieses Jahr weniger anbrennen lassen wollen. Als Perspektiv-Spieler steht mit Daniel Glira ein 22jähriger Pusterer im Raum. Die Verhandlungen mit seinem Jugendverein, nicht zu verwechseln mit dem HC Pustertal, ziehen sich noch etwas hin, aber ich denke man wird sich einigen. Er wird die Rolle des Stay at Home einnehmen, was er in den Vorbereitungsspielen auch nicht schlecht gelöst hat. Quantitativ und vor allem qualitativ fehlt in der Verteidigung noch mindestens ein Verteidiger. Ein Puckmover, der zusammen mit Seymour das Einser-Pärchen bilden kann. Kandidaten scheint es hierfür momentan mehrere zu geben, eine Einigung ist jedoch noch ausständig.
Punkte 6,5 / 10
[b][/b]