Was ist da nur in Salzburg los?

  • Was ist da nur los in Salzburg?

    Das werden sich wohl viele Fans, die der Bullen sowieso, nach dem eigenartigen 1:9 Debakel in Wien fragen. Zwar ist die Saison noch jung, gerade mal vier Runden sind gespielt und Überraschungen bot die Liga in dieser Startphase ohnehin schon einige – etwa die Tabellenführung des HC Bozen, der mühsame Start des Titelverteidigers KAC, die aktuellen Siege von Innsbruck und Dornbirn, der gute Lauf des VSV und so weiter und so fort.

    Aber der Fehlstart von Red Bull Salzburg muss tiefere Gründe haben, selten hat man eine so desolate Leistung eines Titelaspiranten (?) gesehen, wie gestern in der Albert Schultz Halle. Da hat man in der European Trophy teils durchaus achtbare Leistungen abgeliefert und allgemein war von einem neuen Stil unter Trainer Don Jackson die Rede, der mehr auf Kontinuität setzt und seinen Spielern auch mehr Freiräume erlaubt, als es der von vielen (zu Recht?) verteufelte Pierre Pagé jemals getan hat. Nun, Pagé ist in Salzburg Geschichte, als „Oberboss“ der Red Bull-Eishockey-Organisation darf er nun in München walten oder wüten, je nachdem, wie man es sehen mag. Auch unter Pagé hat RB Salzburg, gerade in der Vorjahrssaison, mehrere ungewöhnliche Debakel erlebt, aber eine Reaktion war doch meist zu sehen und seien es nur die Schimpftiraden das sonst gerne über gutes Essen, Schlafen usw. referierenden Kanadiers hinter verschlossenen Türen.

    Don Jackson ist da aus anderem Holz geschnitzt, er meidet dem Vernehmen nach bei solchen Betriebsunfällen, wie gestern in Wien, den intensiven Kontakt zur Mannschaft in der Kabine. So quasi nach dem Motto, die sollen jetzt selber schauen, wie sie da herauskommen aus der Malaise, die sie sich selbst eingebrockt haben. Auch eine Methode. Aber, wenn das Klima in der Mannschaft nicht stimmt, wenn sich (noch) keine klaren Führungsstrukturen heraus gebildet haben oder wenn solche Führungsspieler (Trattnig) ausfallen, dann zerfällt eine Teamleistung, wie bei dieser peinlichen Abfuhr gegen die Capitals, in Kürze in einen Scherbenhaufen, der vielleicht wieder schwer zu kitten sein wird. Nun gut, vielleicht war es nur ein einmaliger Ausrutscher, vielleicht ist wirklich in der Anfangsphase, in der nahezu jede Scheibe für die Caps sprang und die beiden unglücklichen Goalies fast jeden Schuss passieren lassen mussten, alles atypisch gegen ein Team, gegen die Salzburger, gelaufen. Aber, wo blieb das Aufbäumen gegen diese Blamage, der Stolz und die Moral, die ein sich derart Abschlachten lassen verbieten? Und was noch schwerer wiegt: die Qualität der Mannschaft und der meisten neuen Spieler hat gegenüber den letzten Jahren – scheint´s – sichtbar nach gelassen. Voriges Jahr gaben sich die Legionäre in Salzburg die sprichwörtliche Klinke in die Hand, einige flüchteten bald wieder, aber Qualität war, natürlich durch den NHL lock out bedingt, zweifellos vorhanden. Davon sind die Roten Bullen im Moment weit entfernt.

    Im Eishockey kann sich das, wie man weiß, fast über Nacht ändern, wenn die Gründe einer solchen Situation nicht tiefer liegen sollten. Und kommenden Dienstag haben die Salzburger im Duell der Tabellenletzten in Ljubljana nun die Gelegenheit, sich anders zu präsentieren und diese Scharte auszuwetzen. Aber, wenn ausgerechnet bei den Slowenen, die gegen Salzburg immer besonders motiviert sind (auch das hat mit unserem „lieben“ Pierre zu tun), keine deutliche Trendumkehr geschafft wird, steht wohl im Haus der aufwändigsten und wahrscheinlich professionellsten Liga-Organisation der Dachstuhl in hellen Flammen…


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